Somalia: Welthungerhilfe

Deutscher Entwicklungshelfer entführt

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Der Mann wurde im Nordwesten des Landes gekidnappt. Bisher haben die Entführer keine Forderungen gestellt. Seit den 90er Jahren herrschen in Somalia bürgerkriegsähnliche Zustände.

Bonn/Nairobi. Im ostafrikanischen Bürgerkriegsland Somalia ist heute ein deutscher Entwicklungshelfer entführt worden. Der Mitarbeiter der Welthungerhilfe wurde bei einer Autofahrt im Nordwesten des Landes, in der Region Somaliland, verschleppt. Wie die Hilfsorganisation in Bonn mitteilte, lag zunächst keine Forderung der Kidnapper vor. Die Welthungerhilfe bemühe sich in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden um die Freilassung des Projektleiters, sagte die Sprecherin der Hilfsorganisation, Simone Pott. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte: "Wir gehen Hinweisen nach und bemühen uns um Aufklärung des Sachverhalts."

In Somalia herrschen seit den 90er Jahren bürgerkriegsähnliche Zustände. Seit dem Sturz der islamischen Gerichte mit Hilfe äthiopischer Truppen vor gut einem Jahr ist es der Übergangsregierung nicht gelungen, stabile Verhältnisse herbeizuführen. Eine geplante Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) ist noch im Aufbau.

Wie die Welthungerhilfe weiter mitteilte, war der Mann auf dem Weg von Erigavo an die Küste, um an einem Treffen mit einheimischen Fischern teilzunehmen. Das Auto, in dem auch eine weitere deutsche Mitarbeiterin, ein lokaler Mitarbeiter sowie der Fahrer saßen, wurde etwa 60 Kilometer nördlich von Erigavo angehalten.

Eine Gruppe von bewaffneten Männern zwang demnach den Projektleiter auszusteigen. Bei einem Schusswechsel wurde der Fahrer leicht verletzt. Die Entführer konnten mit ihrem Opfer fliehen. Die lokalen Behörden bemühten sich um die Freilassung des Entführten. Eine lokale Polizeieinheit habe die Verfolgung der Entführer aufgenommen.

Der Mann, der vor seinem Einsatz in Somalia in Afghanistan tätig war, arbeitet seit fast zwei Jahren für die Welthungerhilfe in der Region am Horn von Afrika. Er betreut dort ein großes Projekt zur Ernährungssicherung. Die Welthungerhilfe ist nach eigenen Angaben eine der wenigen internationalen Organisationen, die in Somaliland mit entsandten Mitarbeitern tätig ist. In dem Gebiet, das nicht als eigener Staat anerkannt ist, gilt die Ernährungs- und Gesundheitssituation als eine der schlechtesten der Welt. Für die Organisation sind in Somalia derzeit vier Deutsche und ein internationaler Mitarbeiter tätig.

In den vergangenen Monaten wurden wiederholt auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und der Vereinten Nationen Opfer von Angriffen. Anfang Januar waren zwei spanische Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen entführt und nach einer Woche wieder freigelassen worden. Mehrere internationale Hilfsorganisationen haben deshalb ihre ausländischen Mitarbeiter aus Somalia abgezogen.

( dpa )