Hamburg: Gütetermin beim Arbeitsgericht

Aust und Verlag weiter uneinig

Stefan Aust, scheidender "Spiegel"-Chefredakteur, ist der Auffassung, sein Vertrag sei bis Ende 2010 wirksam. Der Kontrakt war nicht über Ende 2008 verlängert worden.

Hamburg. Verhärtete Fronten: Der noch amtierende "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust kämpft weiter gerichtlich gegen seine Kündigung zum Jahresende. Bei einem Gütetermin vor dem Hamburger Arbeitsgericht wurde heute keine Einigung zwischen dem 61-Jährigen und dem Verlag des Nachrichtenmagazins erzielt. Bis zuletzt hatten beide Parteien versucht, sich außergerichtlich zu einigen. Am 7. Mai treffen sie sich erneut vor Gericht. Aust hält seine Kündigung für unwirksam und hat Klage eingereicht.

Der "Spiegel"-Verlag hatte Mitte November 2007 auf Initiative der Mitarbeiter beschlossen, den Vertrag von Aust zum Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen. "Wir wollen den 'Spiegel' ein bisschen erneuern und auffrischen", hatte der Sprecher der einflussreichen Mitarbeiter KG, Armin Mahler, zur Begründung gesagt.

Bei dem Gütetermin ging es um die Dauer des Vertrages von Aust, der seit 1994 Chef des Magazins ist. Strittig ist, ob der Kontrakt bereits zum Ende des Jahres oder erst 2010 endet, und ob der Betriebsrat hätte angehört werden müssen.

Uneins sind sich beide Seiten darüber, ob Aust als leitender Angestellter anzusehen ist. Betriebsverfassungsrechtlich müsste in diesem Fall der Betriebsrat nur informiert, aber nicht im Rahmen eines Anhörungsverfahrens beteiligt werden, teilte das Gericht mit.

Die bisherigen Gespräche seien nicht so gelaufen, dass es zu einer außergerichtliche Einigung kommen könnte, sagte Austs Anwalt Matthias Prinz. Auch die Anwälte des "Spiegels" sahen zunächst keine Möglichkeit für eine Einigung. Die Lücke sei noch zu groß. Allerdings soll es weitere Verhandlungen geben.

Für den Termin im Mai ordnete die Vorsitzende Richterin Susanne Wendt das Erscheinen Austs an. Es bleibe angesichts der Verhandlungen beider Seiten allerdings abzuwarten, ob der Kammertermin erforderlich werde, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der "Spiegel" will nach eigenen Angaben so schnell wie möglich die wochenlange Hängepartie um die Neubesetzung des Chefsessels beenden. Eine Sprecherin des Verlages machte allerdings keine Angaben dazu, ob die Neubesetzung wegen der Auseinandersetzung mit Aust bis zum Mai ungeklärt bleibt.

Das Blatt soll künftig von einer Doppelspitze geführt werden. Im Gespräch sind der Berliner Bürochef Georg Mascolo und der Leiter von "Spiegel online", Mathias Müller von Blumencron. Zuvor waren zahlreiche Namen genannt worden. Mitte Dezember hatte sich ZDF-Moderator Claus Kleber gegen das Angebot des "Spiegels" entschieden.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin erreicht mit einer Auflage von knapp über einer Millionen Exemplaren jede Woche rund sechs Millionen Leser. Der Verlag gehört zu 24 Prozent den Erben von "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein, zu 25,5 Prozent dem Verlag Gruner + Jahr und zu 50,5 Prozent den Mitarbeitern. Augstein hatte ihnen 1974 die Hälfte des Unternehmens geschenkt.

Den Chefposten hatte Aust auf ausdrücklichen Wunsch von Augstein erhalten. Der Pferdeliebhaber und Autor ist seit 1987 für den "Spiegel" tätig und fungiert auch als Herausgeber von "Spiegel TV".