Rezessionsangst:

US-Zinssenkung verpufft auf den Aktienmärkten

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Sorge vor Ausweitung der Finanzmarktkrise lässt Kurse weltweit fallen. Der Euro steigt.

Frankfurt/New York. Die Senkung der Leitzinsen in den USA ist auf den Aktienmärkten verpufft. Auf breiter Front ging es am Donnerstag abwärts. Als Ursache gelten schlechte Konjunkturdaten aus den USA, vor allem aber Sorgen vor einer möglichen dramatischen Ausweitung der Finanzmarktkrise. Der DAX verlor bis zum Nachmittag fast 2 Prozent; die Börse in New York eröffnete rund 1 Prozent schwächer. Auch an den Börsen in London, Paris und Zürich zeigten die Kurse nach unten. Der Euro legte gegenüber dem Dollar zeitweise deutlich zu.

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hatte angekündigt, im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise Papiere im Wert von mehr als 500 Milliarden Dollar (360 Milliarden Euro) herabstufen zu wollen. Eine Verschlechterung der Bonitätsbewertung in dieser Größenordnung würde praktisch alle Großbanken betreffen und zu weiteren Wertberichtigungen zwingen. Viele Fonds müssten die schlechter beurteilten Papiere verkaufen. Zudem hatten die Märkte den Schock über den am Vortag bekanntgegebenen Milliardenverlust der Schweizer Großbank UBS noch nicht verdaut. Die Aktie brach um zeitweise mehr als 8 Prozent ein.

Hans-Jürgen Delp, Chefanlagestratege bei der Commerzbank, sagte der AP auf Anfrage, die Zinssenkung habe zwar positiv gestimmt, sei aber keine Überraschung gewesen. Belastet werde der Markt durch die Ankündigung der Rating-Agenturen und die UBS-Verluste. "Das Subprime-Thema ist noch lange nicht gelöst, es stellt sich immer brutaler dar", sagte Delp. Die Zahlen zeigten, dass Banken und Kreditversicherer noch einiges in den Büchern hätten. Zu Marktgerüchten, die Deutsche Bank müsse möglicherweise eine Gewinnwarnung abgeben, sagte Delp, auf solche Gerüchte gebe er nichts.

Hinzu kamen am Donnerstag schwächere volkswirtschaftliche Daten. Der Umsatz im deutschen Einzelhandel war im Dezember regelrecht eingebrochen. Auch in den USA fiel das wichtige Weihnachtsgeschäft flau aus. In der Eurozone erreichte die Teuerung im Januar mit 3,2 Prozent einen Höchststand.

Auch Andreas Wex, Leiter Aktienmarktstrategie bei der Dresdner Bank, verwies auf die anhaltenden Turbulenzen wegen der Finanzmarktkrise. Der bekanntgegebene Abschreibungsbedarf verschiedener Finanzinstitute habe die Erwartungen übertroffen. Zugleich sei die Zahl der Volkswirte, die eine Rezession in den USA erwarteten, deutlich gestiegen. Wex rechnet damit, dass die Fed den Leitzins bis auf 2,5 Prozent senken dürfte. Auch von der englischen Notenbank werde eine Lockerung der Geldpolitik erwartet, "was insgesamt auch den Druck auf die Europäische Zentralbank EZB erhöhen dürfte", auch ihrerseits die Zinsen zu senken.

Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend zur Ankurbelung der Konjunktur die Zinsen erneut gesenkt und weitere Lockerungen der geldpolitischen Zügel in Aussicht gestellt. Die Notenbanker reduzierten den wichtigsten Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 3 Prozent. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Fed wegen der dramatischen Kurseinbrüche an den Aktienmärkten den Zinssatz um 0,75 Prozentpunkte verringert.

Der Euro überschritt zeitweise die Marke von 1,49 Dollar. Am Nachmittag wurde der Referenzkurs mit 1,4870 Dollar festgestellt, 0,41 Prozent mehr als die 1,4810 Dollar von Mittwoch.