Italienischer Zoll: Bestimmungsort nahe Hamburg

Griechische Raketen in deutschem Obst

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Klingt nach spektakulärem Waffenhandel, ist aber ganz normal. Sagen zumindest die Griechen – und haben eine verblüffende Erklärung.

Bari/Athen. Griechische Raketen in deutschem Obstlaster: Der italienische Zoll hat in einem Lastwagen aus Griechenland zwei Luft-Luft-Flugkörper der neuesten Generation entdeckt, die zur Inspektion nach Deutschland gebracht werden sollten. Es handele sich aber nicht um einen spektakulären Fall von internationalem Waffenhandel, ergab die erste Überprüfung der ungewöhnlichen Fracht durch Fachleute in der süditalienischen Hafenstadt Bari. Das griechische Verteidigungsministerium sprach heute von einem "völlig normalen" Transport.

Mit dem Transport der rund 3,60 Meter langen Luft-Luft-Raketen in einem überwiegend mit Orangen beladenen Lastwagen sollten die Ausgaben für einen Spezialtransport gespart werden, hieß es in Athen. Die Begleitpapiere seien vollständig und in Ordnung gewesen.

Die Flugkörper vom Typ Aim-120 Amraam waren am Vortag in Bari gefunden worden. Der Lastwagen war mit der griechischen Fähre "Superfast 5" aus Patras angekommen. Die beiden deutschen Fahrer wurden wegen illegalen Transports von Kriegsmaterial angezeigt.

Die Flugkörper stammen nach ihren Angaben von einer griechischen Militärbasis und sollten nahe Hamburg gewartet werden. Der Stützpunkt liegt bei der Hafenstadt Patras, teilte das Verteidigungsministerium in Athen mit. Die Firma bei Hamburg soll den Ermittlern in Bari versichert haben, den Transport zu erwarten, alles sei geregelt.

Eilends herbeigerufene Experten der italienischen Polizei und Luftwaffe fanden heraus, dass die Raketen nur teils zerlegt waren. Zu ihrer Aktivierung nötige elektronische Komponenten seien in sieben getrennten Behältern ebenfalls in dem Lastwagen gefunden worden. Der Spezialtransport militärischen Geräts ist bei einem regulären Transit Grenzprozeduren unterworfen, die höhere Kosten mit sich bringen.

Die Aim-120 Amraam wurde für die amerikanische Armee und ihre Verbündeten entwickelt, 1991 in Dienst gestellt und unter anderem bei der Kontrolle des Luftraums über dem Irak und im Kosovo-Krieg 1999 von Kampfflugzeugen abgefeuert. Die Reichweite der pro Stück mehrere hunderttausend Euro teuren Rakete beträgt laut Herstellerangaben mindestens 32 Kilometer.

( dpa )