Finanzbetrug

Milliarden-Zocker Kerviel vorläufig festgenommen

Im Zusammenhang mit dem Großbetrug bei der Société Générale hat die französische Finanzpolizei den Milliarden-Zocker Jérôme Kerviel vorläufig festgenommen. Der 31-Jährige sei in Gewahrsam, hieß es aus Justizkreisen in Paris.

Paris. Am Vortag waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Hauptsitz von Societe Generale in Paris sowie im Pariser Vorort Neuilly die Wohnung von Kerviel durchsucht worden, der bei eigenmächtigen Finanzgeschäften einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro verursacht haben soll. In Finanzkreisen wurden Zweifel laut, dass Kerviel allein verantwortlich für den Schaden sein könne.

Die Ermittler können den 31-Jährigen nun mindestens 24 Stunden, auf Veranlassung eines Staatsanwalts sogar bis zu 48 Stunden festhalten und ihn ohne Beisein eines Anwalts befragen. Zuvor hatte ein Großaufgebot von Sicherheitskräften am Sitz der Finanzpolizei in Paris eine einfahrende Wagenkolonne von Journalisten abgeschirmt.

Bankchef Daniel Bouton wies Vorwürfe zurück, die Bank habe Manipulationen des Juniorhändlers vorgeschoben, um eigene Versäumnisse zu vertuschen. "Wir sollen Verluste aus einem Loch in einem anderen Loch versteckt haben? Das ist weder technisch noch buchhalterisch möglich", sagte Bouton der Zeitung "Le Figaro". Er bekräftigte die These, Kerviel habe "die Kontrollen ausgetrickst, weil er sich mit dem System bestens auskannte". "Es ist nicht das Ergebnis einer falschen Einschätzung unserer Risiken", fügte Bouton hinzu. "Es ist mehr wie ein unbeabsichtigtes Feuer, das eine große Fabrik einer Industriegruppe zerstört", sagte er.

Die Durchsuchung in der Zentrale von Societe Generale am Freitag habe das Ziel gehabt, Kerviels dortigen Computer sicherzustellen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Den Ermittlern seien freiwillig "einige für die Untersuchung wichtige Gegenstände" übergeben worden. Am Freitagnachmittag hatten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft bereits die Wohnung Kerviels im Pariser Nobel-Vorort Neuilly-Sur-Seine durchsucht und sie laut Augenzeugen mit mehreren Koffern verlassen. Kerviel hatte sich dort nach Angaben der Nachbarn seit mehreren Wochen nicht mehr blicken lassen.

Vermehrt Kontrollen

Als Reaktion auf das Milliarden-Desaster bei dem französischen Bankhaus veranlasste Deutsche Bank-Chef Ackermann offenbar eine sofortige Überprüfung der internen Sicherheitssysteme seiner Bank. Unmittelbar nachdem er von dem Skandal in Frankreich erfahren habe, habe Ackermann die zuständigen Stellen in seinem Haus angerufen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, forderte schärfere interne Kontrollen der Banken. Aus dem Fall in Frankreich und anderen "Betrugsfällen in großem Stil" müsse die Lehre gezogen werden, dass eine Verschärfung der internen Kontrollen eine "absolute Notwendigkeit" sei, sagte Trichet einem französischen Fernsehsender. Der französische Präsidentschaftsberater Raymond Soubie sagte im Fernsehen, Kerviels Handelsvolumen habe mehr als 50 Milliarden Euro betragen und damit mehr als der derzeitige Börsenwert von Societe Generale von 35,9 Milliarden Euro.

Kerviel soll laut einem "Spiegel"-Bericht auch eine gigantische Wette auf den deutschen Börsenindex Dax aufgebaut haben. Allein bei diesem Geschäft habe er vermutlich rund zwei Milliarden Euro Verlust eingefahren, berichtete das Magazin unter Berufung auf Insider.

Die Societe Generale hatte den Skandal am Donnerstag publik gemacht und am Freitag erklärt, er sei durch einen "isoliert agierenden Mitarbeiter" verursacht worden. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Unterschriftenfälschung und Betrug.