Bürgerschaftswahl

Naumann gegen Nordstaat

Hamburgs SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann spricht sich gegen einen Nordstaat aus. Außerdem würde er als Bürgermeister gerne einen Teil der Pendler-Einkommenssteuer in die Hansestadt holen.

Hamburg. "Man muss etwas tun, einen Metropolenfaktor in die Einkommensteuer hineinbringen, zum Beispiel in einem Umkreis von 50 Kilometer um die Stadt", sagte Naumann. Hamburg verliere jährlich zwei Milliarden Euro. Für die Leistungen, die Hamburg erbringt, müsse es einen Ausgleich geben.

Hamburgs Bedeutung als Motor für die Wirtschaft in ganz Deutschland dürfe nicht unterschätzt werden. Wer in Schleswig-Holstein sage, "um Gottes Willen, das geht nicht", müsse wissen, dass allein der Hamburger Hafen für 150 000 Arbeitsplätze im Umland verantwortlich ist, so Naumann. "Hamburg ist wie ein hochtourig laufender Zwölf-Zylinder-Motor, aber uns fehlt das Geld für neues Öl." Die Hansestadt sei gezwungen, den Hafen ständig zu modernisieren, habe dazu aber nicht die Mittel.

Eine Länderfusion mit Schleswig-Holstein, wie von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) angestrebt, ist für Naumann keine Alternative. "Hamburg wird niemals in einem Nordstaat aufgehen, das kann man vergessen, dafür sind wir zu alt." Die Menschen würden bei der für einen Zusammenschluss notwendigen Abstimmung niemals zustimmen. "Hamburg habe eine historische und politische Identität." Außerdem wären die Abgeordneten von Bürgerschaft und Landtag dazu nicht bereit, sagte der Spitzenkandidat.

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit pendelten Mitte 2006 rund 206 000 Menschen hauptsächlich aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen zur Arbeit nach Hamburg ein. In Gegenrichtung verließen 49 000 Menschen die Hansestadt, um im Umland zu arbeiten.