Bahn: Stiftung Warentest

Schlechte Noten für Fernverkehr

Mehr als ein Drittel der Züge um mindestens vier Minuten verspätet, jeder siebte Zug um mehr als zehn Minuten unpünktlich – laut dem Verbrauchermagazin "test" sind Fernreisen mit der Bahn alles andere als ein Vergnügen.

Berlin. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn ist nach einer Studie der Stiftung Warentest mehr als jeder dritte Zug unpünktlich. Auch auf jeder vierten Regionalstrecke komme der Fahrgast zu spät ans Ziel, teilte die Stiftung heute mit. Bei Verspätungen wurde in der Untersuchung zudem jeder vierte Anschlusszug nicht erreicht.

Die Warentester definierten Züge als verspätet, die vier oder mehr Minuten später als geplant eintrafen. Bei der Bahn gelten mehr als fünf Minuten Verzögerung als Verspätung. Das Unternehmen bestritt die Angaben der Stiftung Warentest nicht, nannte sie aber irreführend.

Für die Analyse hatte die Stiftung von Mitte September bis Ende Oktober die Ankunftszeiten von 94 000 Zügen an zehn großen Bahnhöfen über die Internet-Informationsseite der Bahn ausgewertet. Tage mit Lokführerstreiks wurden nicht berücksichtigt. Die Bahn sprach dennoch von einer Stichprobe, die "nicht repräsentativ" sei. Die Monate September und Oktober seien auf dem Streckennetz die Hauptbauzeit, entsprechend gebe es dann mehr Verspätungen, sagte ein Sprecher.

Der Konzern lehnte es ab, Zahlen zur Pünktlichkeit von Fern- und Regionalzügen zu nennen. Im Personenverkehr habe die Quote 2007 insgesamt bei "deutlich über 90 Prozent" gelegen. Darin enthalten sind auch die S-Bahnen, die üblicherweise eine sehr hohe Pünktlichkeitsquote haben. Nimmt man das Bahn-Kriterium "mehr als fünf Minuten" als Maßstab, so waren nach der Warentest-Analyse 27 Prozent der Fernreisezüge und 15 Prozent der Regionalzüge verspätet. Den S-Bahn-Verkehr betrachtete die Stiftung nicht.

"Je weiter die Züge fahren, desto größer ist das Risiko, dass unterwegs eine Verspätung eintritt", heißt es in der Beurteilung. Die Wahrscheinlichkeit einer Verspätung steige auch im abendlichen Berufsverkehr sowie an Wochenenden. Am unpünktlichsten waren Züge der Überprüfung zufolge in Dresden, Hamburg und Köln. Am besten sei der Fahrplan in Leipzig eingehalten worden. Der Vorstandschef der Bahn- Tochter DB Netz, Volker Kefer, sagte, trotz zahlreicher Baumaßnahmen "haben wir die Pünktlichkeit bis zum Jahresende leicht gesteigert und die Anzahl der Langsamfahrstellen im Streckennetz deutlich reduziert".

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hielt der Bahn Geheimniskrämerei über das Ausmaß der Verspätungen vor. "Wenn die Bahn mit ihren eigenen Zahlen offen und offensiv umgehen würde, wären solche Tests gar nicht notwendig", sagte VCD-Bahnexpertin Heidi Tischmann. Dabei sei es ganz wichtig zu informieren, warum ein Zug zu spät komme. "Das weckt großes Verständnis bei den Reisenden."

Der Test verdeutliche, dass die Modernisierung des Gleisnetzes auch auf Nebenstrecken nicht vernachlässigt werden dürfe. Bei einem Massenverkehrsmittel seien aber Verspätungen unvermeidlich. "Im Auto steht man auch oft im Stau. Das nimmt dann jeder auf seine Kappe", sagte Tischmann. Im Luftverkehr gelten Flugzeuge erst bei Verspätungen von 15 Minuten und mehr als unpünktlich.