Deutscher Aktienmarkt geht erneut auf Talfahrt

DAX fällt zeitweise unter 6400-Punkte-Marke

Blanke Panik auf dem Börsenparkett: Der deutsche Aktienindex DAX ist am Mittwoch erneut um bis zu 5,7 Prozent abgestürzt. Zeitweise rutschte das wichtigste deutsche Börsenbarometer unter die Marke von 6.400 Punkten und damit auf den tiefsten Wert seit Dezember 2006.

Am Vormittag hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet angedeutet, dass die Bank die Leitzinsen offenbar zunächst unangetastet lassen will.

Vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments in Brüssel sagte Trichet: "In schwierigen Zeiten von Finanzmarktkorrekturen und Turbulenzen ist es die Pflicht der Zentralbank, Inflationserwartungen einen festen Anker zu geben und zusätzliche Preisschwankungen auf bereits sehr volatilen Märkten zu vermeiden." Das sei es, was die EZB seit Beginn der Turbulenzen im August vergangenen Jahres tue, fügte Trichet hinzu. Die EZB hatte in den vergangenen Monaten mehrfach dem Drängen widerstanden, die Zinsen wie in den USA zu senken.

Auch die anderen europäischen Aktienmärkte gingen auf Achterbahnfahrt: In der Schweiz führten Kurserosionen dazu, dass der Swiss Market Index (SMI) im Vergleich zum Vorabend um fast 310 Punkte oder 4,1 Prozent auf 7.179,96 Zähler abstürzte. Ein Auf und Ab gab es auch an andern europäischen Aktienmärkten von Stockholm bis London.

Dagegen legten die asiatischen Börsen nach der Notbremse der US-Notenbank über Nacht zu. Der japanische Nikkei Index gewann 2 Prozent auf 12.829,06 Zähler. An den beiden Vortagen hatte das Börsenbarometer insgesamt 9,3 Prozent verloren. In Hongkong legte der Hang Seng Index - der am Montag und Dienstag um zusammen 13,6 Prozent nachgab - 8,3 Prozent im Nachmittagshandel zu.

Weltwirtschaftsforum befasst sich mit US-Finanzkrise

Der Vorsitzende der Eurogruppe, der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude-Juncker, sagte im ARD-Morgenmagazin, er sehe auch nach den Turbulenzen an den Aktienmärkten keine Gründe für eine weltweite Rezession. Analysten erwarten indes, dass die volatile Phase an den Märkten - also ein Auf und Ab der Kurse - noch eine Weile andauern dürfte.

Die nervöse Stimmung an den Märkten lässt auch die Gerüchteküche kochen: Spekulationen über anstehende Milliardenabschreibungen haben den Kurs der französischen Bank Societe Generale am Mittwoch um 6,3 Prozent abstürzen lassen. Man spreche über 40 Milliarden Euro, sagte ein Börsenhändler in Paris. Er nannte den Betrag aber "lächerlich und sehr unwahrscheinlich". Das französische Satire- und Enthüllungsblatt "Le Canard enchaine" berichtete, die Bank habe einen Großteil ihrer risikobehafteten Kredite bei einem einzigen, derzeit angeschlagenen US-Institut versichert. Die Societe Generale lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.

Die Finanzkrise in den USA und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft beherrschen auch das 38. Weltwirtschaftsforum (WEF), das am Mittwoch in Davos begann. Führende Experten zeigten sich uneins, ob der Abschwung in den USA die ganze Welt erfassen könnte.