Serbien: Präsidentenwahl

Ultra-Nationalist Nikolic knapp vorne

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Am 3. Februar kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Boris Tadic und Nikolic. Von der Wahl hängt die EU-Integration des Landes entscheidend ab.

Belgrad. Der Ultra-Nationalist Tomislav Nikolic hat bei der serbischen Präsidentenwahl mehr Stimmen als Amtsinhaber Boris Tadic erhalten, die Mehrheit für einen Sieg in der ersten Runde aber verfehlt. Damit kommt es am 3. Februar zu einer Stichwahl zwischen beiden Politikern. Wie die Wahlkommission in Belgrad nach Auszählung von rund 80 Prozent der Stimmen mitteilte, kommt Nikolic auf 39, Tadic auf 35 Prozent. Das amtliche Endergebnis, das noch heute erwartet werde, werde vermutlich nicht viel anders aussehen, hieß es weiter.

Das unabhängige Belgrader Zentrum für Freie Wahlen und Demokratie, das in den Wahllokalen unabhängig von den Wahlbeamten mitzählte, bestätigte den von der Wahlkommission bekanntgegebenen Zwischenstand. "Wir können den Schluss ziehen, dass es eine Stichwahl gibt", sagte ein Sprecher des Zentrums, Zoran Lucic. "Es wird eine extrem knappe Stichwahl werden."

Um die Stimmen der 6,7 Millionen Wahlberechtigten bewarben sich insgesamt neun Kandidaten. Die Beteiligung lag bei 61 Prozent. Es war die höchste Wahlbeteiligung seit 2000. Sie lag auch über derjenigen der Präsidentenwahl 2004, als Nikolic ebenfalls in der ersten Runde vor Tadic lag, dann aber in der Stichwahl gegen ihn verlor.

Die Wahl war geprägt vom Streit über die Zukunft des Kosovos. Nikolic sagte, Serbien habe gezeigt, dass es einen Wechsel wollte. "Niemand kann uns aufhalten", sagte er. Die Wahl gilt als Vorentscheidung für den künftigen Kurs der Serbischen Republik. Im Hinblick auf die für Februar erwartete Unabhängigkeitserklärung des Kosovos hängt es ganz vom künftigen Präsidenten ab, ob sich Serbien weiter der Europäischen Union annähern kann oder erneut die Isolation vom Westen wählt. Tadic tritt für Reformen und eine schrittweise EU-Integration ein.

( ap )