Nokia Werksschließung

Boykott gegen Nokia

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Führende Politiker haben indirekt zum Boykott von Nokia-Mobiltelefonen aufgerufen. Derweil machte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso den von Entlassung bedrohten Nokia-Beschäftigten Mut und stellte EU-Hilfen in Aussicht.

Angesichts der geplanten Schließung des Nokia-Werks in Bochum fordern immer mehr Politiker die Verbraucher zum Boykott des finnischen Handy-Herstellers auf. SPD-Chef Kurt Beck sagte der "Bild am Sonntag", ihm komme kein Nokia-Handy mehr ins Haus. Deutschland habe 82 Millionen Verbraucher, "wir alle können gemeinsam deutlich machen, dass wir uns nicht vorführen lassen". Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn sagte dem Bremer "Kurier am Sonntag", jeder müsse überlegen, ob er Produkte solcher Firmen noch kaufe.

Zuvor hatten bereits Politiker wie Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CDU) und SPD-Fraktionschef Peter Struck angekündigt, keine Nokia-Handys mehr benutzen zu wollen. Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte auf die Macht der Verbraucher hingewiesen.

Beck sagte, es sei nicht seine Art, zum Warenboykott aufzurufen. "Aber für mich - und vielen Deutschen geht es sicher ähnlich - hat der Name Nokia seit dieser Woche keinen guten Klang mehr." Man müsse den Verantwortlichen bei Nokia klarmachen, was sie täten, betonte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident. Der Lohnkostenanteil bei der Handyproduktion liege unter fünf Prozent. "Wer da die Lohnhöhe als entscheidenden Grund für eine Standortverlagerung nennt, nachdem er 90 Millionen Euro Subventionen kassiert hat, verschweigt, dass es ihm nur um höhere Rendite geht."

"Wenn Nokia das Werk in Bochum tatsächlich dicht macht, werde ich sicher kein Nokia-Handy mehr kaufen", sagte der Grünen-Politiker Kuhn. Die Verbraucher müssten künftig "schärfer auf diese Subventionssäue reagieren". Die ganze Subventionspolitik europaweit müsse auf den Prüfstand, forderte Kuhn. "Hier wird viel Steuergeld verschleudert. Es gibt Firmen, die die Fördermittel regelrecht abgrasen. Das Mindeste wäre es, Ansiedlungssubventionen nur noch dann zu vergeben, wenn die Betriebe sich dafür länger an den Standort binden müssen."

Hilfe für Nokia-Mitarbeiter?

Der EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat den von Entlassung bedrohten Nokia-Beschäftigten EU-Hilfen in Aussicht gestellt. "Ich verstehe die Betroffenheit der Menschen in Bochum", sagte Barroso der "Wirtschaftswoche". "Gerade weil wir auch um die Härten von Veränderungsprozessen wissen, stehen unser Sozial- und unser Globalisierungsfonds in Fällen zur Verfügung, in denen die Mitgliedstaaten solche Veränderungen nicht allein auffangen können."

Dagegen berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Regierungs- und Kommissionskreise, die Bochumer Nokia-Beschäftigten könnten vorerst nicht auf finanzielle Hilfe aus Brüssel hoffen. Die Bundesregierung könne kein Geld aus dem Globalisierungsfonds beantragen, weil die Werksverlagerung nach Rumänien innerhalb der EU passiere. EU-Hilfen seien, wenn überhaupt, nur über den Umweg der EU-Sozialfonds möglich.

Nokia-Vorstand Juha Äkräs verteidigte in der "Wirtschaftswoche" die Schließung des Werks damit, dass es schon recht alt sei. "Wir hätten jetzt noch einmal investieren müssen", so Äkräs. Da in Rumänien ohnehin neue Kapazitäten aufgebaut würden, habe man sich gegen weitere Investitionen in Deutschland entschieden. "Wir müssen sehen, wo es für uns am günstigsten ist", erklärte Äkräs weiter.