Flugzeugbau: Fertigung steigt

Airbus auf Rekordflug

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Airbus hat mit dem „besten Jahr des Unternehmens“ 2007 geschäftlich wieder zu Boeing aufgeschlossen. Als nächstes steht nun der Konzernumbau an.

Toulouse. Der europäische Flugzeugbauer verkaufte netto 1341 Flugzeuge. Das waren 30 Prozent mehr als im vorherigen Rekordjahr 2005, aber 72 Maschinen weniger als Boeing. Im Vorjahr hatte Boeing die Europäer mit 1044 gegen 790 Aufträgen noch klar abgehängt, doch Airbus gelang es aufzuholen. Trotz Streiks und Produktionsproblemen ließ Airbus bei der Fertigung seinen Erzrivalen 2007 mit 453 gegen 441 Maschinen erneut hinter sich. "Wir bleiben konkurrenzfähig. Wir bleiben im Spiel", sagte Airbus-Chef Tom Enders am Mittwoch in Toulouse.

Für das laufende Jahr rechnen sowohl Airbus, als auch Boeing mit dem Abflauen des Nachfragebooms, dennoch bleibt Enders optimistisch. "Ich erwarte, dass unser Auftragseingang auch in diesem Jahr über unseren Auslieferungen liegen wird." Damit würde der Auftragsbestand weiter wachsen. Für das "Flaggschiff" A380, das bisher 189 Mal verkauft wurde, werden 30 Neuaufträge erwartet. Airbus will in diesem Jahr insgesamt 13 A380 ausliefern, die alle noch per Hand nachverkabelt werden. Erst 2010 soll eine echte Serienfertigung mit vier Maschinen pro Monat erreicht werden - "eine echte Herausforderung", sagte Enders.

Zum Jahreswechsel hatte Airbus etwa genauso viel Aufträge wie Boeing und erreichte einen Rekordwert von 3421 Flugzeugen. Selbst bei wachsender Fertigung sind beide Konzerne damit für sechs Jahre ausverkauft. "2008 wollen wir mindestens 470 Maschinen ausliefern, rund 40 im Monat", sagte Enders. Allerdings bringe das Jahr mit dem Umbau der Fertigung und den Werksverkäufen große Herausforderungen.

Bis zur Jahresmitte will Enders die zähen Verhandlungen über den Werksverkauf abschließen. Das ist ein Jahr später als ursprünglich vorgesehen. Enders versicherte erneut, politische Erwägungen hätten bei der Partnerwahl "keine Rolle" gespielt. Airbus/EADS will die Werke Augsburg, Varel und Nordenham an die Bremer OHB verkaufen. Gespräche über das Werk Laupheim seien "gut auf dem Weg". Die französischen Werke Meaulte und St. Nazaire Ville sollen an die französische Latecoère gehen, das englische Filton an die britische GKN. OHB will die Fertigung nicht ins Ausland verlagern und 200 bis 300 Millionen Euro in das Projekt A350 XWB investieren.

Besser als geplant kommt Airbus bisher mit dem Sparpaket aus dem Sanierungsprogramm "Power8" voran. Im vergangenen Jahr seien die Kosten statt um die geplanten 300 Millionen fast um 500 Millionen Euro gesenkt worden, sagte Enders. "Allerdings springen am Anfang die Einsparmöglichkeiten mehr ins Auge." Insgesamt sollen die Kosten bis 2010 um 2,1 Milliarden Euro sinken. Wegen der Dollarschwäche soll zudem eine Milliarde zusätzlich eingespart werden.

Von den 10 000 Verwaltungsstellen, die bis 2010 mit "Power8" wegfallen sollen, wurden 2007 bereits 3000 gestrichen, vor allem in Frankreich. Gleichzeitig wurden 1000 Stellen geschaffen. In der Produktion sei ein Jobabbau kaum möglich, weil die Fertigung hochgefahren werde, hieß es. Dank der starken Nachfrage konnte Airbus höhere Preise fordern als erwartet. Vom Boom profitiert auch der Mutterkonzern EADS, der jetzt fünf Milliarden Euro in der Kasse hat.

Die Neuorganisation der Fertigung soll mit dem Projekt A350 XWB umgesetzt werden, der ab 2013 an die Kunden gehen soll. Mit bisher 292 Bestellungen habe die A350 einen steileren Start im ersten Jahr als der Konkurrent, sagte Enders. Zum Jahresende soll die Marke von 400 Bestellungen geknackt werden. Boeing holte 369 Aufträge für die 787 herein und hat damit bereits vor der in diesem Jahr geplanten Erstauslieferung 817 Maschinen verkauft.

( abendblatt.de )