Tarifeinigung: Bahn-Chef kündigt Stellenabbau an

Grüne und SPD fordern Rücktritt Mehdorns

„Bockig, unbelehrbar“, wie ein „Rumpelstilzchen“ habe sich der Bahn-Chef verhalten und zudem falsche Behauptungen aufgestellt.

Berlin. Nach der Drohung von Bahnchef Hartmut Mehdorn mit Stellenabbau und Fahrpreiserhöhungen haben die Grünen und SPD-Politiker die Entlassung des 65-jährigen Managers gefordert. Bei seinem Rundumschlag gegen die Tarifeinigung mit den Lokführern habe sich Mehdorn "wie ein Rumpelstilzchen bockig und unbelehrbar" verhalten und zudem falsche Behauptungen aufgestellt, sagte Fraktionschef Fritz Kuhn heute in Berlin. "Er hat überzogen, deshalb muss er zurücktreten." Der Forderung schloss sich auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth an: "Herr Mehdorn ist nicht länger tragbar. Eigentlich müsste er selbst Konsequenzen ziehen", sagte er dem "Tagesspiegel".

Die Bundesregierung steht hingegen noch zum Bahnchef: Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Äußerung von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Mehdorn solle seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen, gelte für die gesamte Regierung.

Auch der CSU-Vorsitzende und bayerische Finanzminister Erwin Huber verteidigte Mehdorn. "Dass dieser Tarifabschluss zu Mehrkosten bei der Bahn führt, liegt auf der Hand", sagte Huber der "Passauer Neuen Presse". "Ich hoffe, dass die Arbeitsplätze gehalten werden können. Aber ich fürchte, dass wir alle den Preis für diese Tarifvereinbarung zahlen müssen." Die seit monatelangen Tarifstreit zu Stande gekommene Einigung sieht unter anderem eine Einmalzahlung von 800 Euro sowie Entgelterhöhungen von elf Prozent ab September vor.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, erklärte, Mehdorn übertreibe maßlos. In Wirklichkeit habe die Lohnrunde 2007 kaum Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung. Faktisch werde das Ergebnis der Bahn durch den Lokführerabschluss nur um rund 20 Millionen Euro zusätzlich belastet. "Das sind 'Peanuts' in den Dimensionen der Bahn-Ergebnisrechnung. Die gesamten Lohnkosten im Konzern belaufen sich auf über neun Milliarden Euro", erklärte Friedrich. Er wies darauf hin, dass sich alleine die acht Vorstände der Bahn bei ihrer letzten Gehaltsrunde ihre Bezüge um acht Millionen Euro erhöht haben.

Verkehrsminister Tiefensee mahnte Mehdorn erneut zur Mäßigung. Mehdorn sei gut beraten, den Erfolg der Tarifeinigung mit der Lokführergewerkschaft GDL nicht kaputt zu reden, sagte der SPD-Politiker im ZDF. Die wirtschaftliche Kraft der Bahn sei in der Tarifvereinbarung berücksichtigt; ein Zugewinn müsse auch bei den Beschäftigten ankommen. Tiefensee bescheinigte Mehdorn aber auch, ein guter Manager zu sein.

Der CDU-Politiker und Bahn-Aufsichtsrat Georg Brunnhuber gab Mehdorn ebenfalls Rückendeckung. "So ein Konzern ist keine Melkkuh, die im Himmel gespeist wird und an der unten alle ziehen können", sagte Brunnhuber der "Passauer Neuen Presse". Er reagierte gelassen auf den gereizten Ton des Konzernchefs: "Mehdorn hat monatelang Stress gehabt. Man sollte jetzt nicht alles auf die Goldwaage legen."

Mehdorn hatte den jährlichen Schaden auf 200 Millionen Euro beziffert, für die kommenden fünf Jahre ergebe sich eine "Belastung in Milliardenhöhe". Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Klaus Lippold (CDU), sagte dazu im Deutschlandfunk, es sei zwar richtig auf die Kosten zu achten. "Aber wenn ich überschaue, dass in den letzten drei, vier Jahren, wenn ich das richtig zusammengezählt habe, alleine fünf Preiserhöhungen stattgefunden haben, dann finde ich, ist das Wortgeklingel überzogen."

Die Ticketpreise für die 2. Klasse waren ab dem 9. Dezember um 2,9 Prozent gestiegen, BahnCards kosten seither im Durchschnitt 3,8 Prozent mehr. Es war die zweite Erhöhung innerhalb eines Jahres. Im Januar waren die Preise um 5,6 Prozent geklettert.