Umwelthilfe beklagt Sicherheitsmängel am AKW Brunsbüttel

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gravierende Sicherheitsmängel im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Brunsbüttel beklagt. Ein interner Bericht aus dem für Reaktorsicherheit zuständigen Sozialministerium weise gravierende und bis heute nicht abgearbeitete Mängel in der Notstromversorgung des Meilers aus, erklärte die Umweltorganisation.

Der Umbau des Notstromsystems dauere dem Bericht zufolge zwei Jahre, die Anpassung an gültige Sicherheitsregeln sogar vier Jahre.

Der 25-seitige Bericht wurde der DUH nach eigenen Angaben anonym zugespielt. Verfasser seien vier Experten in der Reaktorsicherheitsabteilung der Kieler Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD).

Das Kieler Sozialministerium bestätigte die Existenz eines solchen Berichtes. Er sei aber ausschließlich für den internen Gebrauch gewesen und diente dazu, den Kenntnisstand der Experten zur Optimierung der Notstromversorgung zu bündeln, sagte ein Sprecher. "Als Ergebnis dieses Berichts sind verschiedene Maßnahmen festgelegt worden", fügte er hinzu. Die kurzfristigen Maßnahmen seien vom Betreiber bereits abgearbeitet worden.

Die mittel- und langfristigen Maßnahmen seien als Empfehlungen in den Abschlussbericht der periodischen Sicherheitsüberprüfung eingeflossen. Es sei richtig, dass die langfristigen Maßnahmen einen zeit- und kostenintensiven Umbau bedeuten würden, sagte der Sprecher. Inwieweit diese Punkte einem Wiederanfahren des Reaktors im Wege stünden, werde derzeit in der Fachabteilung geprüft.

Die Umwelthilfe fordert von der Atomaufsicht, den derzeit stillstehenden Reaktor nicht ohne Behebung der Sicherheitsdefizite wieder ans Netz zu lassen. "Der Siedewasserreaktor in Brunsbüttel stellt seit vielen Jahren das größte Sicherheitsrisiko in Norddeutschland dar", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Es sei unverantwortlich, dass Vattenfall ausgerechnet für diesen Meiler eine Laufzeitverlängerung beantragt habe, die auch noch gerichtlich eingeklagt werden solle.

Am morgigen Mittwoch verhandelt das Oberverwaltungsgericht in Schleswig im Rechtsstreit zwischen Bundesregierung und Vattenfall. Der Kraftwerksbetreiber hatte gegen die Entscheidung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geklagt, Reststrommengen aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich auf Brunsbüttel zu übertragen.

Das an der Elbe gelegene AKW Brunsbüttel war am 28. Juni vergangenen Jahres nach einem Kurzschluss erstmals runtergefahren worden und steht seit Juli wegen diverser technischer Probleme still.