Bahn-Tarifkonflikt:

GDBA droht mit Streiks

Die Bahngewerkschaft GDBA will ihren Tarifvertrag kündigen, sollte die Bahn einen besseren Abschluss mit der GDL vereinbaren.

Frankfurt/Main. Nach der Tarifeinigung zwischen Bahn und GDL schließt die Konkurrenzgewerkschaft GDBA eigene Streiks nicht aus: "Sollte es nötig sein, über die Klausel Druck auszuüben, werden wir das tun", sagte GDBA-Chef Dieter Hommel der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Sollte die Bahn bei den Verhandlungen über ein neues Tarifsystem die Forderungen der GDBA nicht berücksichtigen, könnte die Gewerkschaft den Tarifvertrag kündigen. GDBA und Transnet können wegen einer Revisionsklausel ihre jeweiligen Tarifverträge kündigen, sollte die Bahn einen besseren Abschluss mit der GDL vereinbaren.

Hommel erklärte zudem, er fürchte, dass die GDL 2009 "ihren Krawallkurs fortsetzt". Die Gewerkschaften ringen noch um die Zuständigkeit für Zugbegleiter. "Wir legen Wert darauf, dass wir Tarifverhandlungen zukünftig abgestimmt führen: die GDL für die Lokführer, wir für alle anderen Berufsgruppen", sagte Hommel. Es habe lediglich am "Eiertanz" der GDL gelegen, dass sich die Verhandlungen so lange hingezogen hätten, kritisierte Hommel.

GDL-Chef Manfred Schell will sich derweil nicht zu einer Kooperation mit den anderen Bahngewerkschaften verpflichten lassen. "Wir sind nicht an Abstimmungen mit anderen Bahngewerkschaften gebunden. Anders lautende Äußerungen entsprechen nicht den Tatsachen", sagte Schell der Tageszeitung "Die Welt". Über den Manteltarifvertrag werde sich die GDL natürlich mit Transnet und der GDBA verständigen. "Ich habe zudem immer gesagt, dass vorausgesetzt, wir erzielen einen vernünftigen Abschluss, wir vor der nächsten Tarifrunde 2009 durchaus mit den anderen Gewerkschaften klären können, ob wir gemeinsame Forderungen stellen. Sollte es aber zu keiner Einigung kommen, ist jeder in seiner Entscheidung frei."

Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hält die Gründung weiterer Spartengewerkschaften angesichts des Erfolgs der GDL für möglich. "Es kann durchaus sein, dass sich in Zukunft auch Krankenschwestern, Arzthelferinnen oder Feuerwehrleute in einer Einzelgewerkschaft organisieren, um ihre Forderungen durchzusetzen", sagte IW-Tarifexperte Hagen Lesch der "Thüringer Allgemeinen".