UNESCO-Naturerbe

Hamburg will sich keine Probleme einhandeln

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Sönke Möhl

Für Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat der Hafen größte Wichtigkeit. Seit Jahren bemüht sich der Senat, Hindernisse bei der Vertiefung der Elbe für Seeschiffe aus dem Weg zu räumen und das Einverständnis der Nachbarländer zu bekommen.

Da will der Bürgermeister nichts unterschreiben, was künftig neue Probleme schaffen könnte. Genau die befürchtet Beust nämlich, wenn das Wattenmeer als Weltnaturerbe der UNESCO angemeldet würde. Deshalb stimmt Hamburg nicht zu, zumindest nicht jetzt. "Ein Restrisiko für die Arbeitsplätze im Hamburger Hafen ist für den Senat nicht hinnehmbar. Eine andere Entscheidung war daher nicht möglich", sagte der Bürgermeister.

Für diese Position nimmt er auch Verstimmung bei den Nachbarn Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Kauf. Dort sprechen die Umweltminister von einer Belastung für die norddeutsche Zusammenarbeit. Beide Länder wollen ihre Bewerbung jetzt ohne Hamburg bei der UNESCO abgeben.

Sechs Wochen vor der Wahl ist der Beschluss ein gefundenes Fressen für Grüne und Umweltverbände in der Hansestadt, die über Beust und seinen Senat herfallen. Sie sprechen von "Offenbarungseid" und "Blamage". Unterstützung erhält der Bürgermeister dagegen von der Hafenwirtschaft und der Handelskammer. Möglicherweise hat der Senat bei seinem Entschluss auch den Streit um die Waldschlösschenbrücke in Dresden im Blick gehabt, deren geplanter Bau in dem als Weltkulturerbe deklarierten Elbtal größte Probleme bereitet.

Der Hamburger Wirtschaftsstaatsrat Gunther Bonz hatte zuvor von Umweltschutzverbänden, die bereits Klagen gegen die geplante Elbvertiefung angekündigt haben, die eindeutige Zusage verlangt, dabei nicht mit einem möglichen Titel Weltnaturerbe zu argumentieren. In einer Diskussion am Sonntagabend im NDR-Fernsehen entgegnete der Landesgeschäftsführer des BUND, Manfred Braasch, die Fahrrinne der Elbe wäre von der Anerkennung der UNESCO gar nicht betroffen, wollte die von Bonz geforderte Zusicherung aber nicht geben. Sollte eine Elbvertiefung Auswirkungen auf den Nationalpark Wattenmeer haben, würde man auch mit dem möglichen Status Naturerbe dagegen protestieren, bestätigte Braasch am Montag die Befürchtung des Staatsrats.

Der Titel Weltnaturerbe, den in Deutschland bisher schon die Fossilienfundstätte Grube Messel bei Darmstadt trägt, würde nach Einschätzung der Umweltverbände vor allem das Image der Nationalparks Wattenmeer weiter verbessern und Touristen anlocken. Diesen Vorteil sieht auch Hamburg, das an den insgesamt gut 7100 Quadratkilometern der deutschen Wattenmeer-Nationalparks nur mit knapp 140 Quadratkilometern beteiligt ist. Die Zukunftsfähigkeit des Hamburger Hafens ist Beust aber wichtiger. Der Containerverkehr boomt und für die kommenden Jahre werden tausende neue Arbeitsplätze in der Logistik erwartet.

Umweltschützer hatten Hamburg gedrängt, schnell zu unterschreiben, denn der Antrag müsse bis Ende Januar abgegeben werden. Bonz hält dagegen: "Warum die Eile?" Man könne die Anmeldung auch nächsten oder übernächsten Jahr vornehmen. Es gebe keinen Zeitdruck. Außerdem verweist er auf Dänemark, das aus der ursprünglich gemeinsamen Initiative mit Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und den Niederlanden ausgestiegen ist. Und die Niederlande seien ohnehin nur bereit, das Wattenmeer ohne die Rheinmündung als Weltnaturerbe anzumelden, damit der Rotterdamer Hafen von möglichen Einschränkungen nicht tangiert wird, argumentierte der Staatsrat.

( dpa )