Nürnberger Eisbärbaby wird nun doch mit der Flasche aufgezogen

Gestatten, ich bin Knut, der Zweite!

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Wende im Drama um die Nürnberger Eisbärenbabys: Nach dem Tod zweier Jungtiere im Zoo der Stadt wird das dritte Eisbärenbaby nun doch mit der Flasche aufgezogen.

Zu diesem Schritt habe man sich am Dienstag entschlossen, weil Eisbärweibchen "Vera" ihr Baby am Nachmittag überraschend aus der Wurfhöhle getragen und versucht habe, es auf dem Gelände zu verstecken, sagte der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. "Sie ist absolut nervös", erklärte er.

Offensichtlich sei das Weibchen von einem Kamerateam gestört worden, das unerlaubterweise bis in die Nähe der Wurfhöhle vorgedrungen sei. Der Nachwuchs sei inzwischen von der Mutter getrennt worden. "Die Sicherheit des Jungtieres geht jetzt vor", sagte Mägdefrau. Das Mitte Dezember geborene Eisbärbaby sei "piccobello propper" in Ordnung und wirke kerngesund. Die Mutter habe sich bisher offensichtlich hervorragend darum gekümmert, was aber wegen ihrer Nervosität nun nicht mehr gewährleistet sei. Die Chancen für einen Erfolg der Handaufzucht seien aber gut.

Bisher hatte sich die Tiergartenleitung trotz Kritik von Tierschützern geweigert, der Bärin das Baby vorsorglich wegzunehmen und mit der Hand aufzuziehen. Der Tiergarten hatte auf Empfehlungen eines europäischen Zuchtprogramms verwiesen.

Von den Ende November auf die Welt gekommenen Eisbärbabys von Weibchen "Vilma" fehlte auch am Dienstag jede Spur. Die Zooleitung geht davon aus, dass beide von ihrer Mutter gefressen wurden, weil sie krank oder bereits tot waren. Pfleger sollen aber noch mal die Wurfbox nach den Kadavern oder Überresten absuchen.

Als Reaktion auf den Tod der beiden Babys forderten Tierschützer ein Ende der Eisbärhaltung in Zoos. "Eine artgerechte Haltung dieser großen Landraubtiere ist in Gefangenschaft grundsätzlich nicht möglich und führt zu unnötigem Tierleid", kritisierte die Organisation Europäischer Tier- und Naturschutz. Der Tod der Nürnberger Eisbärenbabys markiere das "blutige Ende" der Ära Knut in Deutschland. Schuld am Tod sei der Versuch des Tierparks, um jeden Preis von der Medienhysterie um Knut zu profitieren.

Nürnbergs Zoodirektor Dag Encke hatte indes stets betont, sich mit Werbung für den Eisbärennachwuchs so lange zurückhalten zu wollen, bis die Jungtiere die auf sechs Wochen angesetzte kritische Phase überlebt hätten. Während dieser Zeit entscheidet sich, ob die Muttertiere ihren Nachwuchs annehmen und aufziehen oder nicht.

Das Wal- und Delfinschutz-Forum forderte die Entlassung der Tiergartenleitung und den Einsatz eines professionellen Teams, das die artenschutzrechtlichen EU-Richtlinien bei der Zootierhaltung berücksichtige. "Das Drama in Nürnberg ist nicht das Verhalten der Eisbärenmutter, sondern die Ignoranz der Tiergartenleitung einer artgerechten Haltung gegenüber, die in einem Zoo für Eisbären und Meeressäuger niemals gewährleistet werden kann", hieß es. Der Nürnberger Tiergarten war in der Vergangenheit bereits wegen des Todes neugeborener Delfine in die Kritik geraten.

Hoffnungen auf Eisbären-Nachwuchs in Berlin Unterdessen hofft der Berliner Zoo, in dem Eisbär "Knut" mit der Hand aufgezogen wurde, auf neuen Nachwuchs. "Wenn die Eisbären Nancy, Katjuscha und Tosca tatsächlich schwanger sind, müssen die Babys bis spätestens Mitte Januar da sein", sagte Zoo-Tierarzt Andre Schüle am Dienstag der AP. Alle Weibchen waren im Frühjahr von Eisbär Lars, Knuts Vater, gedeckt worden. Man könne nicht sagen, ob die Eisbären schwanger seien, erklärte Schüle. Weil die Jungtiere so klein seien, bekämen Eisbären keinen dicken Bauch. Der berühmte Eisbär Knut erfreue sich bester Gesundheitund wiege inzwischen 120 Kilogramm, sagte der Tierarzt.

( ap )