Obama triumphiert nach Wahlsieg in Iowa

Der demokratische Senator Barack Obama hat sich nach seinem Sieg bei den Vorwahlen im US-Staat Iowa überaus optimistisch gezeigt. Sein Triumph zeige, dass die „Zeit für den Wandel gekommen ist“, erklärte der 46-Jährige vor jubelnden Anhängern in Des Moines. Der schwarze Senator des Staates Illinois gewann die Abstimmung am Donnerstagabend (Ortszeit) nach Auszählung fast aller Stimmen mit 37 Prozent.

Im Wahlkampf war der junge schwarze Senator Barack Obama stets mit ausgesuchter Bescheidenheit aufgetreten, doch in der Nacht zum Freitag konnte er seinen Triumph einfach nicht mehr zurückhalten. "Die Zeit ist gekommen", sagte er immer wieder, seine Anhänger gerieten völlig aus dem Häuschen. 38 Prozent bei der ersten Kandidaten-Kür im US-Präsidentschaftswahlkampf, selbst Optimisten hatten so einen klaren Sieg nicht erwartet. "Die Zeit ist gekommen", der 46-Jährige brauchte gar nicht eigens zu sagen, was er damit meinte. Es geht um die Frage, ob erstmals in der Geschichte ein Schwarzer ins Weiße Haus einziehen könnte - für Obama ist die Frage seit Iowa entschieden.

Hillary Clinton hatte nach der Abstimmung in Iowa eine ungleich schwierigere Aufgabe zu lösen: Die einstige First Lady musste ihre Enttäuschung überspielen, ihre Niederlage schönreden. Kühl und routiniert ging die ans Werk. "Dies ist eine große Nacht für die Demokraten." Sie schaffte es sogar, ihr Lächeln zu bewahren. Tatsächlich kann sich Frau Clinton nach wie vor damit trösten, dass sie in landesweiten Umfragen immer noch vorn liegt. Dass sie weitermachen will, stand nie in Zweifel. Doch schon seit Wochen ist ihr einst strahlender Stern am Sinken - noch im Herbst galt sie praktisch als unbesiegbar. Vor allem dass sie hinter Senator John Edwards erst als Dritte ins Ziel kam, ist bitter für sie.

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"Doch der Weg ins Weiße Haus ist noch sehr, sehr lang". Immer wieder betonten die Kommentatoren in den US-Fernsehsendern die Botschaft, versuchten manche die überschwängliche Freude zu dämpfen. Vermutlich gingen lediglich etwa 200 000 Demokraten und 80 000 Republikaner in die Versammlungshallen. Zwar wird immer wieder die "Dynamik" beschworen, die von einem günstigen Ergebnis in dem kleinen Agrarstaat ausgehen könnte. Doch immerhin sind Bill Clinton und Ronald Reagan Präsidenten geworden, obwohl sie in Iowa das Nachsehen hatten.

Es war die Nacht der Überraschungssieger, auch mit einem so klaren Sieg des Ex-Gouverneurs Mike Huckabee hatte so kaum jemand gerechnet. Noch vor ein paar Monaten meinten Spötter unter den Washingtoner Kommentatoren, "wer einen lustig Namen hat", könne nicht Präsident werden. Zeitweise hieß es schon, Huckabee wolle vorzeitig ausscheiden. In dieser Nacht triumphierte auch er, überschwänglich deutete er auf seine Frau und meinte: "Sie wird eine wunderschöne First Lady". Doch das war in der "Nacht von Iowa". Ob Huckabee, der noch vor ein paar Jahren dafür war, Aids-Kranke in Lagern zu isolieren, in den ganzen USA auf so große Unterstützung stößt, ist mehr als fraglich.

Ob Obama, Clinton oder Huckabee: Der nächste Test steht schon kommende Woche bevor, am 8. Januar sind die ersten Vorwahlen im Neuengland-Staat New Hampshire. Zwar sind die ersten Würfel im Kampf ums Weiße Haus gefallen - aber entschieden ist noch nichts.