Positive Bilanz:

Deutsche Seeschifffahrt bricht 2007 alle Rekorde

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Erstmals wuchs Handelsflotte auf mehr als 3.000 Schiffe an - Positive Prognose für das kommende Jahr.

Hamburg. Dank des anhaltend starken Welthandels hat die deutsche Seeschifffahrt im Jahr 2007 alle Rekorde gebrochen: Erstmals verzeichnete die Handelsflotte nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) mehr als 3.000 Schiffe und ein Ladevolumen von über 60 Millionen Bruttoraumzahl (BRZ). Auch 2008 bleibt der Trend positiv. Eine Sorge haben die Reeder allerdings: Es fehlen Kapitäne, Ingenieure und anderes qualifiziertes Bordpersonal.

Im Vergleich zu 2006 ist die deutsche Handelsflotte in diesem Jahr um 6,4 Prozent auf 3.179 Schiffe angewachsen. "Damit hat sie sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt", erklärte VDR-Hauptgeschäftsführer, Hans-Heinrich Nöll. Allein die Zahl der Containerschiffe, die weiter den Schwerpunkt der deutschen Aktivitäten bilden, stieg um 15 Prozent auf 1.473 Schiffe. Sie transportieren rund 3,5 Millionen Container (TEU). Auch im Hinblick auf das Fassungsvermögen wurde im Jahr 2007 ein Rekord geknackt: Die deutsche Handelsflotte bewegte ein Gesamtvolumen von knapp 64,5 Millionen BRZ.

Grund für den stetig weiter wachsenden Transport ist laut VDR der weiterhin starke Welthandel. Vor allem in den Schwellenländern bleibt demnach der Transportbedarf im Seeverkehr auf hohem Niveau. Mit einem Anteil von 38,3 Prozent an der weltweiten Containerschifffahrt haben die deutschen Eigner ihren mit Abstand ersten Platz ausgebaut. Insgesamt belegt die deutsche Handelsflotte hinter Griechenland und Japan den dritten Platz in der Welt.

Ein stark wachsendes Segment ist in Deutschland auch der Kreuzfahrtmarkt. Das auf dem deutschen Markt führende Unternehmen Aida Cruises bestellte erst kürzlich zwei neue Schiffe. Die derzeit aus vier Schiffen bestehende Flotte wird bis 2010 auf neun Clubschiffe ausgebaut. "Das Interesse der Europäer an Kreuzfahrturlaub wächst weiter sehr stark. Daher setzen wir eindeutig auf Investition und den Ausbau unserer europäischen Marken", sagte Micky Arison, Chef der Aida-Muttergesellschaft Carnival Corporation anlässlich des neuen Auftrags.

Auch der Reisekonzern TUI gab kürzlich bekannt, mit dem amerikanischen Kreuzfahrtriesen Royal Caribbean Cruises in den deutschen Massenmarkt für gehobene Kreuzfahrten einsteigen zu wollen. Das erste Schiff unter der Flagge der neuen TUI Cruises soll im Frühjahr 2009 in See stechen. Im Luxusmarkt bietet TUI-Tochter Hapag-Lloyd in Deutschland bereits Kreuzfahrten an.

Weiteres Wachstum ist programmiert: Deutsche Reeder haben zur Zeit bei Werften weltweit rund 1.200 Schiffe in den Auftragsbüchern stehen. Das entspricht einer Steigerung von rund 67 Prozent und einem Investitionsvolumen von rund 35,5 Milliarden Euro. Darunter sind 56 Schiffe mit einer Kapazität von mehr als 10.000 Container (TEU).

Eine große Belastung für die Reeder stellen laut VDR allerdings die hohen Kosten für Treibstoff, Dock-Aufenthalte, Reparaturen und Personal dar. Der Preis von Schweröl sei in nur drei Jahren auf zeitweilig das Dreifache gestiegen, eine Entlastung sei nicht in Sicht. Im Personalbereich, der den größten Teil der Schiffsbetriebskosten ausmacht, habe es eine wahre Kostenexplosion gegeben.

"Grund ist ein Engpass an qualifiziertem Bordpersonal", sagte Nöll. So kamen nach Angaben der Heuerstelle Hamburg beispielsweise bei Kapitänen lediglich 43 Bewerber auf 150 freie Stellen. Bei Nautikern waren es 55 auf 150 Plätze und bei Ingenieuren sogar nur 41 auf 250 Stellangebote. In Nischenmärkten wie Gas und Produktentankern ergaben sich Heuererhöhungen von bis zu 20 Prozent. Durch die hohe Anzahl von Neubauten wird sich dieser Trend wohl fortsetzen, schätzt der Reederverband.

Insgesamt sieht die Branche der Zukunft optimistisch entgegen. "Die Prognose ist auch für 2008 positiv", sagte Nöll. Nach Einschätzungen des Marktforschungsunternehmens Global Insight ist mit einer Wachstumsrate des weltweiten Transportvolumens in Höhe von 8,4 Prozent zu rechnen. Die Containermengen werden demnach erneut zweistellig zulegen.

( AP )