Präsidentschaftswahlen

Odinga erklärt sich zum Wahlsieger in Kenia

Ungeachtet der noch fortdauernden Stimmenauszählung hat die kenianische Opposition ihren Spitzenkandidaten Raila Odinga zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt.

Nairobi. Die Opposition in Kenia hat am Samstag nach Auszählung von etwa drei Viertel der Stimmen ihren Wahlsieg erklärt. Demnach wird der 62-jährige Raila Odinga den 76 Jahre alten Mwai Kibaki als Staatschef ablösen. Nach Auszählung von 159 von 210 Wahlbezirken hatte Odinga mit 3,7 Millionen Stimmen einen Vorsprung von etwa 300.000 Stimmen auf den Amtsinhaber. Wegen der schleppenden Auszählung kam es in der Hauptstadt unterdessen zu gewaltsamen Ausschreitungen.

In Nairobi bewarfen tausende Demonstranten Autos mit Steinen und rannten grölend mit Macheten durch die Stadtviertel. Zahlreiche Geschäfte und Häuser wurden geplündert, einige in Brand gesteckt. Augenzeugenberichten zufolge kam es auch zu Kämpfen zwischen rivalisierenden ethnischen Gruppen. Vor allem im Ribera-Slum, dessen gut 700.000 Einwohner in großer Mehrheit Odinga unterstützen, kam es zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Tränengas ein.

Odingas Wahlkampfmanager Mohamed Isahakia erklärte, sie seien zuversichtlich, dass ihr Kandidat die Wahlen vom Donnerstag gewonnen habe. Zuvor hatten sie erklärt, die Auszählung würde mutwillig verzögert, da die Regierung vor einer Niederlage stehe. Bislang wurde in den vier Jahrzehnten seit der Unabhängigkeit des ostafrikanischen Landes noch kein amtierender Präsident abgewählt.

Die Wahl war nahezu reibungslos verlaufen, was nach teilweise blutigen Auseinandersetzungen während des Wahlkampfs nicht unbedingt zu erwarten war. Bis zur Schließung der Wahllokale hatte es den internationalen Wahlbeobachtern zufolge keine Hinweise auf Betrug gegeben. Sie warnten jedoch vor möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Stimmen. Rund 30.000 Beobachter begleiteten den Verlauf der Wahl. Mit rund 70 Prozent lag die Wahlbeteiligung in Rekordhöhe. Rund 14 Millionen der 36 Millionen Kenianer hatten sich in die Wählerlisten eintragen lassen. Neben dem Präsidenten wurden auch ein neues Parlament mit 210 Abgeordneten und mehr als 2.000 Stadträte gewählt. Die Umwelt-Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2004, Wangari Maathai, hat ihren Sitz im Parlament nach den bisherigen Auszählungsergebnissen verloren.

Der ehemalige politische Häftling Odinga ist bei den ärmeren Wählern beliebt und hat im Wahlkampf für einen politischen Neuanfang geworben. Kibaki wird ein stetes Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre zugutegehalten, die ärmeren Schichten profitierten davon jedoch weniger.