Kinderporno-Ermittlungen dauern noch Monate

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Nach einer der größten bundesweiten Aktionen im Kampf gegen Kinderpornografie werden die Ermittlungen in den Ländern noch Monate dauern. Zunächst müssten die zahlreichen Beweismittel ausgewertet werden, hieß es am Freitag bei den ermittelnden Staatsanwaltschaften im ganzen Land.

In Sachsen-Anhalt hätten einige Verdächtige bei den Durchsuchungsaktionen bereits Geständnisse abgelegt, berichtetet Oberstaatsanwalt Peter Vogt in Halle. In Rheinland-Pfalz verwies ein Sprecher des Landeskriminalamtes auf die hohe Zahl der Verdachtsfälle. Unterdessen bestätigten Behörden in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, dass auch dort gegen Hunderte von Verdächtigen ermittelt werde. Auch in Hamburg seien zahlreiche Ermittlungsverfahren eröffnet worden. Wie ein Polizeisprecher am Freitagabend mitteilte, richteten sich die Untersuchungen bislang "grob geschätzt" gegen etwa 200 Verdächtige.

In den vergangenen Tagen war bekanntgeworden, dass bundesweit gegen tausende Verdächtige ermittelt wird, darunter in Nordrhein- Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Nach Informationen der federführenden Staatsanwaltschaft Berlin seien die Ermittler bei der Aktion "Himmel" bundesweit auf rund 12 000 Verdächtige gestoßen.

Die Organisation "Innocence in Danger" (Unschuld in Gefahr) wies darauf hin, dass Kinderpornografie im Internet immer härter werde. "Im Internet zirkulieren mittlerweile Filme und Fotos von sexuellen Handlungen mit Säuglingen", sagte Julia von Weiler von der Organisation. Kinder würden gequält, geknebelt, geschlagen und verbrannt. Gleichzeitig werde es schwieriger, die Täter zu verfolgen, sagte Arthur Wetzel, Präsident der Initiative "No Abuse im Internet" (etwa: Kein Missbrauch im Internet). Die Nutzer seien in geschlossenen Gruppen verbunden, die nur mit Passwörtern zugänglich seien.

Der Bearbeitungsstand der einzelnen Verfahren der Aktion "Himmel" sei sehr unterschiedlich, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg, Gerd Zeisler. "Wir sind mittendrin." Die Arbeit sei für die Ermittler, die die Bilder ansehen und später vor Gericht detailliert beschreiben müssten, sehr belastend. Kinderpornografische Bilder habe es zwar auch früher gegeben, mit dem Internet sei die Zahl aber beträchtlich angestiegen. Es sei erschreckend, wie viele Leute darauf zurückgriffen, sagte Zeisler.

Auch in Nordrhein-Westfalen werden sich die Untersuchungen noch eine Weile hinziehen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat nach Angaben ihres Sprechers Johannes Mocken rund 450 Fälle erhalten. "Ein großer Teil davon ist eingestellt worden", sagte Mocken. In den restlichen Fällen ermittele jetzt die Polizei. Ähnlich sieht es bei der Staatsanwaltschaft Köln aus. Dort seien rund 500 Tatverdächtige gemeldet worden, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Wolf dem "Express".

( dpa )