NDR nimmt Reaktion "ernst":

Aleviten protestieren gegen "Tatort"

Die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) kritisierte in einer Mitteilung an den Weihnachtstagen die „zentrale Aussage des Filmes“, dass nach einem Inzest-Fall in einer alevitischen Familie die Schwester der Schwangeren umgebracht werde, weil sie zur Aufklärung des Falls beitragen wollte.

Hamburg. Der ARD-"Tatort" mit dem Titel "Wem Ehre gebührt" vom vergangenen Sonntag ist auf scharfen Protest gestoßen. Aleviten vertreten eine Glaubensrichtung des Islams - nach eigenen Angaben leben in der Türkei 20 Millionen.

AABF-Generalsekretär Ali Toprak sagte der dpa am Mittwoch, dass die Berliner Gemeinde Strafanzeige gegen den für die "Tatort"-Folge verantwortlichen Norddeutschen Rundfunk wegen Volksverhetzung gestellt habe. "Wir verlangen vom NDR eine offizielle Entschuldigung und eine Gegendarstellung", sagte Toprak. Der NDR teilte mit, er nehme die Kritik an seinem Film "ernst". "Es geht in dieser "Tatort"-Folge nicht darum, religiöse Gefühle zu verletzen oder Vorurteile gegen die alevitische Glaubensgemeinschaft zu untermauern", sagte Programmdirektor Volker Herres.

Die Aleviten erklärten, dass sie Jahrhunderte lang "unbegründeten Anschuldigungen" seitens der sunnitischen Muslime ausgesetzt worden seien, in denen behauptet würde, die Aleviten würden in ihren Gemeinden Inzest betreiben, weil sie ihre religiösen Rituale gemeinsam mit Frauen und Kindern durchführten. Bis heute seien derartige Beschuldigungen und Vorurteile unter fanatischen Sunniten gegenwärtig. Die Drehbuchautorin habe sich diese Einstellung zu eigen gemacht. In dem ARD-Krimi ermittelte am Sonntag neben Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) auch ihr türkischer Kollege Kommissar Aslan (Mehmet Kurtulus).

Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Maccarone sagte laut NDR, dass dieser Fall so in jeder Familie überall auf der Welt passieren könnte, egal ob deutsch oder türkisch. "Die Vorurteile, die alle Gruppierungen gegeneinander hegen, lassen letztendlich alle nur in die Irre laufen und tragen zur Aufklärung nicht bei", sagte sie weiter. "Die Tat des Vaters wird in keiner Wiese von seiner Religion getragen oder gerechtfertigt. Im Gegenteil: Kommissar Aslan, selbst Alevit, steht am Ende ebenfalls fassungslos vor der Erkenntnis, welches Drama sich in der Familie abgespielt hat."