Mindestlohn: Vorstoß von Post-Konkurrent

TNT will alternativen Tarifvertrag

Nach dem Bundestagsbeschluss zur Einführung eines Mindestlohns für Briefträger will TNT Post eine eigene, deutlich niedrigere Lohn-Untergrenze durchsetzen.

Hamburg. Anstatt des am Freitag verabschiedeten Mindestlohns zwischen 8 und 9,80 Euro, will TNT Post seinen Zustellern im Westen 7,50 Euro und im Osten 6,50 pro Stunde bezahlen. "Wir werden auf unserer Tarifautonomie bestehen und dies notfalls auch vor Gericht durchsetzen", sagte TNT-Post-Geschäftsführer Mario Frusch der "Financial Times Deutschland".

Nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums hat der Mindestlohn-Tarifvertrag aber kaum Chancen. Der Sprecher von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sagte am Montag, es sei nicht davon auszugehen, dass der TNT-Antrag das in der Koalition vereinbarte Verfahren tangieren werde.

Frusch gab sich indes kämpferisch: "Wir werden, sollte es notwendig sein, das Bundesverwaltungsgericht und das Bundesverfassungsgericht anrufen." Als Vorbild nannte der TNT-Post-Chef das Bauhauptgewerbe, wo es ebenfalls für unterschiedliche Tätigkeiten verschiedene Mindestlöhne gebe. "Mit unserem Tarifvertrag können wir die Situation in Deutschland meistern." TNT Post gehört zu 71 Prozent der einstigen holländischen Staatspost TNT, mit 29 Prozent ist der Hamburger Handelskonzern Otto beteiligt.

Noch vor zwei Wochen hatten TNT-Konzernchef Peter Bakker und der Deutschlandmanager Frusch von einem möglichen Investitionsstopp und sogar einem Rückzug aus Deutschland gesprochen, sollte der Post-Mindestlohn kommen. "Wir laufen nicht weg, diesen Gefallen werden wir der Deutschen Post (...) nicht tun", sagte Frusch.