Afghanistan:

Wieder ein Deutscher verschleppt!

Der 42-jährige Schreiner aus der Oberpfalz war in der westafghanischen Provinz Herat unterwegs als er verschleppt wurde. Ein politischer Hintergrund sei nach Polizeiangaben unwahrscheinlich. Es handele sich eher um ein Familiendrama.

Berlin. In Afghanistan ist erneut ein Deutscher entführt worden. Der 42-jährige Schreiner aus der Oberpfalz wurde am Wochenende von bewaffneten Kräften überfallen, als er in der westafghanischen Provinz Herat unterwegs war, wie die Polizeibehörden heute mitteilten. Seine afghanische Frau und das gemeinsame Kind hätten sich zwar ebenfalls in dem Wagen befunden, seien aber nicht verschleppt worden.

Ein politischer Hintergrund ist nach den Worten des Polizeichefs der Provinz Herat, Juma Khan Adeel, unwahrscheinlich. Es handele sich eher um ein Familiendrama, sagte er.

Der zum Islam konvertierte Mann hatte von 2003 bis 2005 für die Hilfsorganisation "Grünhelme" von Rupert Neudeck gearbeitet und war am Bau von 26 Schulen beteiligt. Nach Angaben der Polizei heiratete er vor zwei Jahren eine afghanische Frau, die sich zuvor von ihrem Cousin getrennt hatte.

Nach Darstellung Adeels kam es dadurch zu einem Zerwürfnis in der Familie, das letztendlich zu der Verschleppung geführt habe. "Aus meiner Sicht ist es eine persönliche Auseinandersetzung wegen der Vergangenheit seiner Frau, deren erster Ehemann ihr Cousin war. Wir wissen nicht genau, ob sie von ihm geschieden ist oder nicht", sagte er. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts wollte sich am Montag zunächst nicht zu Einzelheiten äußern. "Wir bemühen uns um eine Aufklärung", sagte sie lediglich.

In Afghanistan wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Ausländer entführt, darunter auch mehrere Deutsche. Zwei Deutsche kamen im vergangenen Sommer nach wenigen Tagen Geiselhaft frei. Tragisch verlief dagegen die Entführung zweier deutscher Bauingenieure und ihrer fünf afghanischen Kollegen durch die radikalislamischen Taliban. Der 43-jährige Rüdiger Diedrich wurde am 21. Juli erschossen aufgefunden. Sein Kollege Rudolf Blechschmidt kam erst nach fast drei Monaten am 10. Oktober frei. Mit ihm wurden auch seine entführten afghanischen Begleiter auf freien Fuß gesetzt.