Höheres Risiko für Kinder in AKW-Nähe spaltet Bürgerschaft

Das in einer aktuellen Studie festgestellte höhere Krebsrisiko für Kinder in der Nähe von Atomkraftwerken hat am Donnerstag eine heftige Debatte in der Hamburger Bürgerschaft ausgelöst.

Während die GAL meinte, die jüngsten Ergebnisse machten ein schnelles Abschalten der AKWs zwingend, erklärten SPD-Politiker trotz des vermuteten Zusammenhangs zwischen Atomkraft und Blutkrebs sollte man nicht vom gesetzlich festgelegten Ausstiegsverfahren abrücken. "Die Statistik ist eindeutig, die Kausalität aber nicht - auch wenn sie plausibel erscheint", sagte SPD-Umweltexpertin Monika Schaal.

Die CDU betonte, weitere Ursachenforschung sei nötig. Das Ergebnis der Untersuchung des Deutschen Kinderkrebsregisters, je näher ein Kind an einem Kernkraftwerk wohnt, desto höher sei das Risiko an Leukämie zu erkranken, sei in der Tat beunruhigend, erklärte Gesundheitssenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU). Sie habe großes Verständnis für die Verunsicherung der Menschen. Ein Zusammenhang zwischen Krebs und Atomkraft sei aber noch nicht bewiesen. Hier müsse weiter geforscht werden. Die Studie dürfe daher nicht "instrumentalisiert" werden, sagte die Senatorin.

Die GAL-Abgeordneten Christian Maaß und Katja Husen forderten eine Umkehr der Beweislast. Die AKW-Betreiber müssten belegen, dass Atomkraft nicht schädlich sei und krank mache. Maaß warf der Senatorin eine "reflexhafte Reaktion" vor. Verschiedene Studien, auch in Großbritannien und den USA hätten den Zusammenhang von Kraftwerk-Nähe und Krebserkrankung belegt. Er wundere sich, dass die Gesundheitspolitikerin Schnieber-Jastram sich vor die AKW-Betreiber stelle und nicht vor die Kinder.

Sie wünsche sich sehr, dass auch diese Studie nicht wieder zerredet werde, sagte die SPD-Abgeordnete Karin Rogalski-Beck. Ihre Fraktionskollegin Schaal sprach sich dagegen vor allem für weiterführende Untersuchungen aus. Auch naheliegende Schlussfolgerungen müssten nicht richtig sein. Wichtig sei es, "verantwortungsvoll mit der Blutkrebs-Studie" umzugehen.

Nach dem Ergebnis der vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegebenen Untersuchung nimmt die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort zu. Im Umkreis von fünf Kilometern zu den deutschen Kernkraftwerken wurde zwischen 1980 und 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie erkrankt sind. Im statistischen Durchschnitt wären nur 48 Krebsfälle zu erwarten gewesen.