Fall Marco W.: Prozess-Fortsetzung am Freitag

Weihnachten, das Fest der Freiheit

Weihnachten im Gefängnis? Hierzulande wohl die Höchststrafe. Am Freitag könnte sich das Schicksal des 17-jährigen Schülers entscheiden.

Hannover. Der 17-jährige Schüler Marco W. hat eine Chance, noch vor Weihnachten aus der Untersuchungshaft in der Türkei freizukommen. Am Freitag, dem achten Verhandlungstag in Antalya, will die Verteidigung erneut die Freilassung beantragen. Das sagte der Anwalt des Schülers, Michael Nagel, am Mittwoch in Hannover. Wegen des Vorwurfs, sich im Osterurlaub sexuell an einer 13-jährigen Britin vergangen zu haben, befindet sich Marco seit acht Monaten in türkischer Haft. Der Anwalt des Mädchens will als Nebenklagevertreter auf ein Urteil am Freitag dringen.

Die Verteidigung rechnet noch nicht mit einem Urteil. Man gehe zwar davon aus, dass dem Gericht die Aussage der jungen Engländerin Charlotte und eine offizielle Übersetzung ins Türkische vorlägen, sagte Anwalt Nagel. Dennoch erwarte die Verteidigung nicht, dass sich das Gericht am Freitag schon inhaltlich mit den Anklagevorwürfen auseinandersetzen werde. Die Verteidigung werde "die Ladung von Charlotte verlangen, um sie vor Gericht befragen zu können", kündigte Nagel an.

Demgegenüber verlangt der Anwalt von Charlotte eine schnelle Verurteilung des jungen Deutschen. "Ich dränge auf ein Urteil am Freitag, werde in der Verhandlung einen entsprechenden Antrag stellen", sagte Nebenkläger Ömer Aycan der "Bild"-Zeitung. Er gehe fest davon aus, dass Marco eine Gefängnisstrafe bekommen werde. "Sie wird zwischen acht und 15 Jahren liegen. Marco wird Weihnachten nicht zu Hause sein", meinte der Anwalt.

Auch Aycan geht davon aus, dass die offizielle Übersetzung von Charlottes Aussage dem Gericht vorliegt. Auch ein Gutachten über die psychische Verfassung des Mädchens müsse ins Türkische übersetzt sein. Wenn die Verteidigung keine anderen Anträge stelle, spreche nichts gegen ein Urteil am Freitag.

Nach Angaben von Rechtsanwalt Nagel wird es vom Verlauf des Prozesstages abhängen, ab die Verteidigung ein vorbereitetes Gutachten zur Glaubwürdigkeit des Mädchens vorlegt. Wahrscheinlich werde man das Gutachten noch nicht vorlegen.

Der 17-jährige Schüler wurde nach dem siebten Verhandlungstag in ein moderneres Gefängnis in verlegt. Gut geht es ihm aber nicht. "Marco ist psychisch an der Grenze dessen, was ein junger Mann aushalten kann", sagte Rechtsanwalt Nagel.