Nach Fälschungsskandal:

Was passiert mit den Terrakotta-Kriegern?

Nach dem Fälschungsskandal um chinesische Terrakotta-Figuren im Hamburger Völkerkundemuseum bleiben viele Fragen offen: Was passiert mit den acht lebensgroßen Terrakotta- Kriegern, die angeblich 2200 Jahre alt sein sollen und sich dann als billige Kopien herausstellten?

Und wer kommt für die finanziellen Verluste des Museums auf, das jetzt ein Jahr lang ohne Ausstellung da steht? Und vor allem: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Alle diese Fragen blieben am Donnerstag ungeklärt. Nur eines stand fest, nachdem die Leipziger Firma Center of Chinese Arts and Culture (CCAC) nach einer tagelangen Verzögerungstaktik zugegeben hatte, dass es sich bei den acht Tonkriegern um Kopien handelt: Die Ausstellung bleibt geschlossen.

"Das Museum für Völkerkunde Hamburg bedauert es sehr, falschen Angaben aufgesessen zu sein und entschuldigt sich hierfür bei der Öffentlichkeit", hieß es in einem knappen Schreiben. "Zusammen mit der Kulturbehörde und dem Stiftungsrat des Museums überlegen wir jetzt, wie wir weiter vorgehen werden", sagte Museumsdirektor Prof. Wulf Köpke der dpa am Donnerstag. Anwälte prüften derzeit rechtliche Schritte und Schadenersatzforderungen gegen die Leipziger Firma, eine Anzeige wegen Betrugs will das Museum jedoch vorerst nicht stellen. "Wir versuchen eine Lösung zu finden. Aber erstmal bleibt die Ausstellung geschlossen." Immerhin hätten die Ausstellungsmacher nach eigenen Angaben 600 000 Euro in die Schau investiert, berichtete Köpke.

Das Hamburger Landeskriminalamt setzte unterdessen seine Ermittlungen wegen Betrugsverdachts fort. "Wir haben die Prüfung der Unterlagen nahezu abgeschlossen", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. "Die Ermittlungsakten werden Mitte nächster Woche der Staatsanwaltschaft übergeben." Der Ausstellungsmacher Roland Freyer, der im Jahr 2005 selbst eine Schau mit den Tonkriegern in Leipzig organisiert hatte, hatte gegen die Leipziger Firma am Donnerstag vergangener Woche (6. Dezember) eine Anzeige wegen Betrugsverdachts erstattet. Die Beamten nahmen daraufhin am Montag im Museum die Unterlagen zu dem Fall in Empfang. Auch gegen Museumsdirektor Köpke erstattete Freyer eine Anzeige wegen Verdachts des Betrugs. Die Kulturbehörde hält trotz der Vorwürfe an dem Museumschef fest: "Die Personalfrage hat sich zu keinem Zeitpunkt gestellt", sagte ein Sprecher der Behörde.

Bei etlichen Museumsleuten sorgten die Vorgänge in Hamburg für Kopfschütteln. "Normalerweise verhandelt man nicht mit einer Agentur. Und erst recht nicht mit fachfremden Leuten", sagte die Leiterin der Ostasien-Abteilung des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, Nora von Achenbach. Das Museum hatte 1995 eine Ausstellung mit chinesischen Terrakotta-Figuren organisiert. Im Allgemeinen sei es üblich, sowohl auf politischer Ebene, als auch auf wissenschaftlicher Ebene mit den Chinesen zu verhandeln. "Ist die politische Seite abgedeckt, sind einem die Türen geöffnet und man kann mit den Museen vor Ort zusammenarbeiten", sagte die Expertin. All das sei im Fall des Hamburger Völkerkundemuseums nicht geschehen.