Russland: nach monatelangen Spekulationen

Putin will Medwedew als Nachfolger

Der russische Staatschef möchte Dmitri Medwedew, Aufsichtsratmitglied des Energie-Giganten Gazprom, zum neuen Präsidenten küren.

Moskau. Der russische Staatschef Wladimir Putin hat das monatelange Rätselraten über seinen Favoriten als Nachfolger im Präsidentenamt beendet und sich für den Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew ausgesprochen. Putin sagte heute vor Vertretern seiner Partei Einiges Russland sowie drei weiterer Parteien, er stehe "voll und ganz hinter diesem Vorschlag". Sein Auftritt wurde vom russischen Fernsehen übertragen.

Putin hatte Medwedew sowie Sergej Iwanow, ebenfalls Erster Stellvertretender Ministerpräsident, als Nachfolgekandidaten ins Gespräch gebracht. Allerdings hatte er bislang keine Empfehlung für den einen oder anderen abgegeben. Medwedew, der im Aufsichtsrat des Energie-Giganten Gazprom sitzt, gilt als wirtschaftsfreundlich, Iwanow erwarb sich als Verteidigungsminister den Ruf eines Falken. Die Moskauer Börse reagierte auf Putins Empfehlung für Medwedew mit steigenden Kursen.

Medwedew gilt als loyaler Gefolgsmann Putins. Sollte er am 2. März zum nächsten Präsidenten gewählt werden, würde er nach Einschätzung Putins den Weg für eine Regierung ebnen, "die den Kurs fortsetzen wird, der in den vergangenen acht Jahren Ergebnisse gebracht hat". Putin verfestigte damit den Eindruck, dass sein Nachfolger das tun wird, was er ihm aufträgt. Seine Anhänger haben Putin gebeten, "nationaler Führer" mit nicht näher definierter Autorität zu werden.

Der liberale Politiker Wladimir Ryschkow sagte im Radiosender Echo Moskau, Medwedew sei ein Kompromisskandidat, der Putin freie Hand lassen werde. "Falls Putin allmählich die Macht abgeben will, garantiert Medwedew ihm Annehmlichkeit und Sicherheit, er wird weiter auf ihn hören. Falls er in zwei, drei Jahren zurückkehren will, ist Medwedew ohne Zweifel derjenige, der ihm den Weg frei macht."