Blutkrebs: Nach neuen Studienergebnissen

Leukämie: Schleswig-Holstein macht Druck

Das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium will verstärkt Projekte unterstützen, die zur Klärung erhöhter Krankheitszahlen in Reaktornähe beitragen.

Das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium erwartet eine weitere Aufklärung über die Studie zu Krebs-Fällen bei Kindern im Umfeld von Kernkraftwerken. "Mit den bisherigen Erklärungsversuchen erhöhter Leukämieraten gibt sich die Landesregierung nicht zufrieden", sagte heute ein Sprecher in Kiel. Das Ministerium verfolge unabhängig von der Studie verschiedene Wege, die zur Klärung der erhöhten Werte beitragen sollen, hieß es. Zurzeit beteilige sich die Behörde an einem Forschungsprojekt des Universitätsklinikum Eppendorf über Leukämieentstehung im Kindesalter. Das Projekt hat im Herbst dieses Jahres begonnen; Ergebnisse werden frühestens Mitte nächsten Jahres erwartet. Unterdessen forderten Mitglieder der Umweltorganisation "Robin Wood" vor dem Kernkraftwerk Krümmel die sofortige Stilllegung des Reaktors.

Nach einer Langzeituntersuchung des Deutschen Kinderkrebsregisters im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) haben Kleinkinder, die im Fünf-Kilometer-Umkreis von Atommeilern aufwachsen, anscheinend ein deutlich höheres Blutkrebs-Risiko als weiter entfernt wohnende Altersgenossen. In Schleswig-Holstein stehen drei der bundesweit 16 Atomanlagen. Das Kraftwerk in Krümmel (Kreis Herzogtum Lauenburg) steht seit Jahren im Verdacht, für eine Häufung von Leukämiefällen bei Kindern in der Umgebung verantwortlich zu sein. Dies ist aber nie bewiesen worden.

Laut der Studie nimmt die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort zu. Im Umkreis von fünf Kilometern um die 16 deutschen Kernkraftwerke wurde für den Untersuchungszeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie (Blutkrebs) erkrankt sind. Im statistischen Durchschnitt wären nach Darstellung der Wissenschaftler 48 Krebs- beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten gewesen. Nach der Studie treten somit zusätzlich 1,2 Krebs- beziehungsweise 0,8 Leukämiefälle pro Jahr in der näheren Umgebung aller 16 Standorte auf. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte eine genaue Prüfung der Studie durch die Strahlenschutzkommission (SSK) an.

Nach Ansicht von "Robin Wood" belegt die Studie eindeutig den Zusammenhang zwischen Atomkraftwerken und Krebserkrankungen von Kindern. Bundesumweltminister Gabriel handele verantwortungslos, wenn er jetzt lediglich weitere Untersuchungen ankündige, sagte ein Sprecher der Organisation. Anwohner und Umweltorganisationen machen seit Jahren das Atomkraftwerk Krümmel für Leukämieerkrankungen von Kindern in der Umgebung verantwortlich.