Manager-Gehälter:

SPD prüft Gesetz gegen Millionen-Abfindungen

Beck spricht von berechtigtem Zorn in der Gesellschaft. Siemens-Chef Löscher nennt hohe Zahlungen ohne Gegenleistung "Exzesse".

Hamburg. Die SPD prüft nach den Worten von Parteichef Kurt Beck ein Gesetz, mit dem bestimmte Millionen-Abfindungen für Manager unterbunden werden können. "Wenn Manager selbst bei einer Riesenpleite noch mit Millionen-Abfindungen nach Hause geschickt werden, kann ich den Zorn der Leute verstehen", sagte Beck im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung zur Begründung. Auch Siemens-Chef Peter Löscher kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung" am Samstag hohe Abfindungen ohne Gegenleistung als "Exzesse".

SPD-Chef Beck wird mit den Worten zitiert: "Auch Manager haben ein Recht auf anständige Bezahlung. Aber das darf nicht ausarten." Die SPD prüfe daher derzeit in einer Arbeitsgruppe, welche gesetzliche Möglichkeiten bestehen, das zu unterbinden. Der Zorn der Leute sei erst recht zu verstehen, da die Arbeitnehmer oft auch noch die Zeche zahlten, wenn Unternehmen die Abfindungen als Betriebsausgaben von der Steuer absetzten.

Für bedenklich halte er vor allem die undurchsichtigen Bonus- und Aktienpakete, die mittlerweile oft Bestandteile der Bezahlung geworden seien, fügte Beck hinzu. "Das birgt die Gefahr, dass die Vorstände nur noch die Kurse im Auge haben, um die eigenen Aktienoptionen möglichst gewinnbringend in Bargeld umwandeln zu können." Dies könne nicht so bleiben: "Sie müssen sämtliche Bezüge offenlegen", erklärte der SPD-Chef.

Siemens-Vorstandschef Löscher verurteilte vor allem hohe Manager-Antrittsgelder und -Abfindungen ohne Gegenleistung. Damit werde "nicht Erfolg belohnt, sondern Misserfolg bezahlt", sagte er in dem Zeitungsinterview. Manager dürften aber die Bodenhaftung nicht verlieren.

Gleichzeitig rechtfertigte Löscher aber die bei seinem Wechsel vom US-Pharmakonzern Merck zu Siemens gezahlte Summe von acht Millionen Euro: "Ich habe kein Antrittsgeld bekommen. Keinen Euro", sagte er. "Ich hatte Ansprüche im Rahmen meines Vertrags bei Merck, die Siemens abgelöst hat und die nun auf einem Sonderkonto bis zu meiner Pensionierung festliegen. Für dieses Geld habe ich gearbeitet", fügte Löscher hinzu.

Bundespräsident Horst Köhler hatte kürzlich gesagt, er sei besorgt über die auseinanderklaffende Einkommensentwicklung und eine wachsende Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft. "Die Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft müssen begreifen, dass ihr Verhalten Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Gesellschaft hat." Aufsichtsräte und Aktionäre müssten dafür sorgen, dass Manager in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlören.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte auf dem CDU-Parteitag in Hannover Anfang der Woche Kritik an hohen Abfindungen von Managern kritisiert, die auf ganzer Linie versagt hätten. Gesetzlichen Regelungen erteilte sie aber eine Absage.