Protest

Baumfäll-Arbeiten für Dresdner Brückenbau

Dramatische Szenen an der Baustelle für die Waldschlößchenbrücke im UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal: Rund 400 Menschen demonstrierten am Sonnabend gegen die Baumfäll-Arbeiten für den umstrittenen Brückenbau.

Dresden. Viele der Demonstranten formierten sich rund um die letzten Eichen zu einer Sitzblockade. Einige Menschen weinten und hielten sich an den Händen oder umarmten sich. "Hier werden mit Brachialgewalt Fakten geschaffen", sagte ein junger Mann fassungslos vor der Geräuschkulisse kreischender Sägen. "Nicht Bäume - sägt Milbradt ab", lautete die Aufschrift auf dem roten Overall einer Frau, die damit die Politik von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) kritisierte. "Die Bäume haben die Bombardierung amerikanischer und britischer Streitkräfte am 13. Februar 1945 überstanden - aber diese Regierung nicht", sagte eine ältere Frau leise.

Unter lautem Protest der Anwesenden wurden von Beamten nach Polizeiangaben etwa 60 sitzende Demonstranten weggetragen. Die Bürgerinitiative "Welterbe erhalten" rief in der aufgeheizten Stimmung immer wieder zu Gewaltfreiheit auf. Für Empörung sorgten Videoaufnahmen, die die Polizei während des Einsatzes fertigte. Die Behörde bezeichnete die Situation insgesamt als "relativ friedlich". Ihren Angaben zufolge waren 75 Einsatzkräfte bei der fünfstündigen Aktion vor Ort, sie sprach von rund 300 Protest-Teilnehmern.

Die Baumfäll-Arbeiten für den umstrittenen Brückenbau hatten am Morgen begonnen. Die Beseitigung der letzten alten Eichen soll weitere Baufreiheit für den Brückenbau schaffen. Ein Versuch der Grünen Liga Sachsen, die Aktion in letzter Minute zu stoppen, scheiterte. Das Verwaltungsgericht Dresden hatte am Freitag grünes Licht für die Fällarbeiten gegeben. Gegen diesen Beschluss kann beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht (OVG) Beschwerde eingelegt werden.

Die Bäume wurden jedoch wie geplant gefällt - ohne die weitere juristische Auseinandersetzung abzuwarten. Dies empfanden viele Dresdner als Hohn. "Das ist eine reine Demonstration der Macht", kritisierte Christiane Filius-Jehne von den Grünen im Dresdner Stadtrat. Die Fraktion unterstützt die Initiative "Welterbe erhalten". Filius-Jehne kritisierte Ministerpräsident Milbradt, der sich zuletzt für leichte Änderungen an der Brücke offen gezeigt hatte. Die Baumfäll-Arbeiten machten deutlich, was von seinen Worten zu halten sei. "Das hier ist die Wahrheit", sagte sie.

Die Bauarbeiten hatten am 19. November begonnen. Die UNESCO wird Dresden wegen der Brücke den erst 2004 verliehenen Welterbe-Titel im kommenden Jahr voraussichtlich aberkennen. Die UN-Kulturorganisation sieht die Schönheit der Flusslandschaft verschandelt. Der Freistaat beharrt auf dem Bau und beruft sich auf einen Bürgerentscheid pro Brücke aus dem Jahr 2005. Das OVG hatte einen im August aus Naturschutzgründen verhängten Baustopp aufgehoben und Auflagen für den Brückenbau erteilt. Allerdings geht Anfang 2008 der Rechtsstreit im Hauptsacheverfahren vor dem Verwaltungsgericht Dresden weiter.

Auch die Brückengegner setzen ihren Protest fort. An diesem Sonntag erwartet die Bürgerinitiative Literaturnobelpreisträger Günter Grass an der Baustelle. Für Montag ist wieder eine Demonstration an der Frauenkirche geplant. Am vergangenen Montag hatten 2000 Menschen für den Erhalt des Welterbes demonstriert. Mitglieder der Bürgerinitiative entzünden seit Tagen allabendlich ein Mahnfeuer an der Brückenbaustelle.