Familientragödie in Darry

Normalpsychologisch ist die Tat nicht zu erklären

Die Mutter der im schleswig-holsteinischen Dorf Darry getöteten fünf Jungen ist bereits seit August vom Sozialdienst des Kreises Plön betreut worden. Bei einem Hausbesuch habe es „deutliche Hinweise auf eine psychiatrische Erkrankung“ gegeben, berichtete der Plöner Landrat Volkram Gebel am Donnerstag.

Den Hinweis habe einer der beiden Väter der Kinder gegeben. Er habe von religiösen Fantasien der 31-Jährigen berichtet. Es sei aber keine akute Gefahr festgestellt worden. Der Mann, der den Hinweis gab, habe bis einen Tag vor der Tat in dem Haus in Darry gelebt, hieß es.

Die Mutter habe die Tat am Mittwoch in der psychiatrischen Klinik Neustadt selbst gemeldet, berichtete der Leiter der Kieler Mordkommission, Stefan Winkler. Der behandelnde Arzt habe dann die Polizei informiert. Die Beamten fanden die erstickten Kinder in dem Einfamilienhaus in Darry. "Wir beschuldigen sie des fünffachen Mordes, allerdings im Zustand der vollständigen Schuldunfähigkeit", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Die Mutter solle dauerhaft in der Psychiatrie bleiben.


Es gebe "ein gesellschaftliches Grundproblem damit, dass Kinder in die Ecke geschoben und als Störenfriede wahrgenommen werden", sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins Deutsche Kinderhilfe Direkt, Georg Ehrmann, dem Bayerischen Rundfunk. Die Fälle in Sachsen und Schleswig-Holstein seien keine Einzelfälle, sondern wiesen auf eine "Strukturkrise" in Deutschland hin.

( dpa )