Ermittler geschockt:

Drei Babyleichen in Plauen entdeckt

Plauen im Schockzustand: Der grausige Fund von mittlerweile drei Babyleichen hat in der Vogtlandstadt Erschütterung ausgelöst. Niemand kann sich das Geschehen erklären.

Plauen. Anwohner beschreiben die Mutter als stets freundlich und zuvorkommend. "Mit so etwas hätte ich nie gerechnet", sagte eine Bewohnerin des Hauses, in dem am Dienstag und Mittwoch zwei der Leichen in einer Tiefkühltruhe und auf einem Balkon gefunden wurden. Eine Woche zuvor hatte die Polizei die mumifizierten Überreste der 2002 geborenen Celine im Keller eines anderen Hauses geborgen. Unklar ist, wann genau und wie die drei Mädchen gestorben sind.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die 28 Jahre alte Mutter die Säuglinge getötet hat. Bislang aber bleibt die Frau bei ihrer Version, dass die drei Mädchen jeweils kurz nach der Geburt plötzlich tot gewesen seien. Den Angaben zufolge kam die zweite Tochter 2004, die dritte 2005 zur Welt. Zwei Söhne der Frau, sieben und ein Jahr alt, leben inzwischen bei Verwandten, hieß es.

Sichtlich betroffen schilderten Polizeipräsident Dieter Kroll und der Leiter der Chemnitzer Staatsanwaltschaft, Bernd Hohmann, am Mittwochnachmittag Details. Sie zeichneten ein dramatisches Szenario: Während beim Chemnitzer Amtsgericht der Haftprüfungstermin wegen der ersten Kinderleiche für die Mutter lief, wurde die nächste Babyleiche entdeckt. Davon habe der Haftrichter keine Kenntnis gehabt, hieß es. Er setzte die 28-Jährige auf freien Fuß, da er aufgrund eines vorläufigen rechtsmedizinischen Gutachtens keinen dringenden Tatverdacht feststellen konnte.

"Die Leiche ist fünf Jahre alt, da ist schwer eine Gewalteinwirkung zweifelsfrei festzustellen", erklärte Hohmann. Wegen des neuerlichen Fundes wird nach der Mutter gefahndet, die Arbeitslose wenig später erneut festgenommen. Am Mittwochvormittag entdecken Beamte dann die dritte Leiche. "Wir gehen davon aus, dass es keine weiteren gibt", sagte Kroll. Die Frau mache keinen krankhaften Eindruck. Sie soll demnächst psychiatrisch untersucht werden.

Polizeichef Kroll sprach von "einem tragischen Geschehen". "Die toten Kinder bekommen erst jetzt die Aufmerksamkeit, die ihnen viel früher hätte zuteil werden sollen." Er hoffe, dass der neuerliche Fall helfe, die Gesellschaft aufzurütteln. "Wir müssen Freunde, Nachbarn und Verwandte dazu bringen, sich bei Verdacht rechtzeitig zu melden."

Im familiären Umfeld der 28-Jährigen will jedoch niemand etwas von den toten Säuglingen gewusst haben. Dabei wurde Celines Leiche in einem Koffer im Keller bei Verwandten gefunden. Auch die beiden anderen toten Kinder wurden nicht in der aktuellen Wohnung der Frau entdeckt, sondern ebenfalls "im familiären Umfeld", wie sich die Ermittler ausdrückten.

Der Fall kam ins Rollen, als die Mutter die kleine Celine vor einer Woche nicht zur Einschulungsuntersuchung brachte. Dabei wurde das Verschwinden des Kindes aber nur durch einen Zufall bekannt: Die Frau hatte das Baby nicht wie vorgeschrieben nach der Geburt beim Standesamt angemeldet. In Plauen aber ist es üblich, dass das Vogtlandklinikum dem Gesundheitsamt Geburten meldet. Nur so sei dem Amt das Fehlen des Mädchens bei den Vorschuluntersuchungen für 2008 aufgefallen.

Die beiden anderen Töchter soll die Mutter zu Hause allein zur Welt gebracht haben. Auch davon will niemand etwas bemerkt haben. Selbst der langjährige Lebensgefährte gab laut Polizei an, nichts von zwei Schwangerschaften gewusst zu haben. Die Frau stammt entgegen früheren Angaben offensichtlich aus sozial schwachen Verhältnissen. In den vergangenen Jahren habe sie neun verschiedene Wohnsitze gehabt und sei des Öfteren bei Verwandten untergekommen, so die Ermittler.