Bildung: Migrantenfamilien benachteiligt

Deutsche Schüler in Naturwissenschaften verbessert

Es ist offiziell: Deutschland liegt nach der neuen Pisa-Studie im Vergleich mit 30 anderen OECD-Ländern auf Rang acht. Das sei zwar besser, aber noch nicht die „Champions League“, so OECD-Chef Heino von Meyer.

Berlin. Die neue Pisa-Studie belegt nach Ansicht von Bildungspolitikern aus Bund und Ländern Defizite bei der Integration von Schülern aus Migrantenfamilien. Die in Berlin offiziell vorgestellte internationale Studie verzeichnet zwar leicht verbesserte Leistungen deutscher Schüler im Bereich Naturwissenschaften. Doch hoben Autoren und weitere Experten die anhaltende Benachteiligung von Schülern ausländischer Herkunft und aus sozial schwachen Familien hervor. Hier schneidet Deutschland sehr schlecht ab.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersuchte mit der Pisa-Studie 2006 in 30 Ländern vor allem naturwissenschaftliche Kenntnisse. Deutschland liegt auf Platz acht und damit erstmals über dem Durchschnitt: "Das ist in den Top-Ten, aber es ist noch nicht die Champions League", sagte Berliner OECD-Chef Heino von Meyer. Der Chef der Kultusminister-Konferenz, Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner, sagte: "Das ist kein Grund zu großem Jubel, aber zu Zuversicht." Den besten Wert erreichte Finnland vor Hongkong und Kanada. Bei Mathematik und Lesen liegt Deutschland weiter im Mittelfeld. Hier liegt das chinesische Taiwan und Korea an der Spitze.

In keinem anderen OECD-Land sei ihr Rückstand von Schülern ausländischer Eltern so groß wie in Deutschland, sagte Meyer. Er betrage statistisch etwa ein Schuljahr. "Vierzig Prozent der Schüler aus der zweiten Migrantengeneration haben keine grundlegenden naturwissenschaftlichen Kenntnisse." Der Deutschland-Koordinator der Studie, Manfred Prenzel, betonte, unabhängig davon gebe es auch einen starken Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Kompetenz der Schüler. "Das ist weiter der große Aufgabenbereich der Bildungspolitik."

Der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Michael Thielen, wandte sich gegen die Kritik, für das schlechte Abschneiden der Migrantenkinder sei die frühe Aufteilung der Schüler auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium verantwortlich. "Die Schulstruktur ist nicht entscheidend." Die OECD bekräftigte dagegen ihre Einschätzung: "Doppelt benachteiligt das deutsche Schulsystem Jugendliche mit Migrationshintergrund."