Türkei: Fall Marco

Charlotte-Aussage wird übersetzt

Bis zur nächsten Verhandlung, am 14. Dezember, soll das 170 Seiten starke Protokoll dem Gericht auf Türkisch vorliegen.

Hannover/Antalya. Hoffnung für den wegen sexuellen Missbrauchs in der Türkei angeklagten 17-jährigen Marco aus Uelzen: Zur nächsten Verhandlung am 14. Dezember in Antalya sollen dem Gericht die 170 Seiten Protokoll des mutmaßlichen Opfers auf Türkisch vorliegen. Die Aussage der 13 Jahre alten Britin Charlotte werde in Regie des Gerichts übersetzt werden. Das sei in Aussicht gestellt worden, sagte Marcos Anwalt Michael Nagel in Hannover. "Das müsste in zwei Tagen machbar sein, wenn man entsprechende Dolmetscher hat." Marco soll Charlotte in den Osterferien missbraucht haben. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Zuversicht, dass Marco am nächsten Verhandlungstag vorläufig freikommen könnte, schöpft die Verteidigung aus einem Glaubwürdigkeitsgutachten zu Charlottes Aussage. Laut Nagel werden in dem Papier die Vorwürfe gegen Marco "nicht erhärtet und nicht bestätigt". Den Verfasser des Gutachtens wollte der Anwalt am Mittwoch nicht benennen. Anträge auf eine direkte Befragung Charlottes seien bisher erfolglos geblieben, sagte Nagel. "Das Gericht ist nicht entsprechend tätig geworden."

Weil die in England aufgenommene Aussage von Charlotte bis Dienstag nicht vorlag, hatte sich das Gericht im türkischen Antalya immer wieder vertagt. Nach Marcos Aussage sei es auf Charlottes Initiative in ihrem Hotelzimmer zu Zärtlichkeiten gekommen. Nach Darstellung des Mädchens habe sie bereits geschlafen, als es zu Handlungen kam, mit denen sie nicht einverstanden war. Bereits im Oktober hatten Zeugen Marco vor Gericht entlastet: ein Bekannter von Charlottes Schwester, der auch auf dem Zimmer war, und der Arzt, der die 13-Jährige nach der Zweisamkeit untersucht hatte.