Urteil: Schuldig

Gefängnisstrafe für Schönheitschirurg

Nach dem Tod einer Patientin als Folge einer Nasenoperation hat das Hamburger Landgericht einen Schönheitschirurgen am Dienstag zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Richter bezichtigten den 46-Jährigen der fahrlässigen Tötung.

Hamburg. Eingerechnet in die Strafe sind frühere Verurteilungen wegen vielfachen Betrugs und ärztlicher Kunstfehler. Bei der kosmetischen Nasenoperation in der Tagesklinik des Arztes hatte eine junge Frau im Dezember 2005 einen Herz-Kreislaufstillstand erlitten. Wenige Tage später war sie in einem Krankenhaus gestorben.

Die Richter warfen dem Mediziner vor, die gesundheitlichen Probleme und einen Atemstillstand der Frau während der Operation nicht bemerkt zu haben. Der Schönheitschirurg habe die Behandlung nicht unterbrochen, obwohl seine Assistentin und Lebensgefährtin den Operationssaal für eine Viertelstunde verlassen musste. "Sie machten mit der Operation weiter", warf der Richter dem 46-Jährigen vor. Das Gericht sah dies als Beleg für eine "grandiose Selbstüberschätzung" des Arztes.

Wegen einer narzistischen Persönlichkeitsstörung, die Gutachter dem Mediziner bescheinigt hatten, wurde die Strafe etwas gemildert. Das Gericht verhängte auch ein fünfjähriges Berufsverbot. Mit dem Urteil, in das die fahrlässige Tötung mit zwei Jahren und neun Monaten Haft einging, blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte insgesamt sechseinhalb Jahre Haft verlangt. Der Verteidiger hatte auf einen Freispruch plädiert.

Der Schönheitschirurg war zuletzt im Februar zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er zwei Patienten bei kosmetischen Eingriffen falsch behandelt und zudem zahlreiche Rechnungen für Mietkosten und Praxisbedarf nicht bezahlt hatte. Zuvor war er auch schon wegen Betrugs zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. In allen Verfahren hat sich der Mediziner stets als unschuldig Verfolgter dargestellt.