Frankreich: Protest eskaliert

Ein Land im Streik

Aus der Streikwelle ist ein Protest-Tsunami geworden. An Schulen fiel Unterricht aus, Fluglotsen legten ihre Arbeit nieder und auch die größte Gewerkschaft der Energieindustrie rief zu Protesten auf.

Paris. Die Streikwelle in Frankreich hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Nach tagelangen Arbeitsniederlegungen der französischen Eisenbahner weitete sich der Streik auf den öffentlichen Dienst aus. Die Postdienstfilialen blieben leer. An den Schulen fiel der Unterricht aus, da sich auch die Lehrer an den Arbeitsniederlegungen beteiligten. Am Pariser Flughafen Orly traten die Fluglotsen in Streik, mehrere Flüge wurden gestrichen.

Auch die größte Gewerkschaft der Energieindustrie rief zur Arbeitsniederlegung auf. Zudem streikten Mitarbeiter von Zeitungsvertrieben. Die Angestellten im öffentlichen Dienst protestieren gegen das Vorhaben der Regierung, die Stellen einiger in Pension gehender Kollegen aus Kostengründen zu streichen und wie sie es bezeichnen - den fortschreitenden Verfall ihrer Kaufkraft. Die eintägigen Streiks bedeutet eine ernsthafte Herausforderung für das Wirtschafts-Reformprogramm von Präsident Nicolas Sarkozy.

"Die Mobilisierung wird groß sein", sagte Haushaltsminister Eric Woerth der Zeitung "Le Parisien". Er sei darüber wenig erfreut und habe zudem den Eindruck, dass die Franzosen vom Stillstand langsam die Nase voll hätten. Woerth warnte auch davor, dass der mittlerweile siebentägige Streik der Eisenbahner das Wirtschaftswachstum des Landes beeinträchtigen könne, sollte er weiter anhalten. Die Eisenbahner protestieren gegen die Pläne der Regierung, das Rentenalter in öffentlichen Unternehmen heraufzusetzen.

Umfragen zufolge ist der Bahnstreik bei den meisten Franzosen unbeliebt. "Eine kleine Gruppe von Menschen hat das Land als Geisel genommen", sagte ein älterer Passant, der sich zu Fuß zum Weg auf die Arbeit machte. "Das ist wirklich ärgerlich." Am Mittwoch sollen Gespräche zwischen der Regierung und den Bahngewerkschaften beginnen. Die Regierung hat jedoch angekündigt in den wichtigsten Punkten ihrer Vorhaben hart zu bleiben.