Fall Marco: Schüler in anderes Gefängnis verlegt

Prozess abermals vertagt

Nächster Verhandlungstag soll der 14. Dezember sein. Marcos Anwälte kündigten eine Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an.

Antalya. Der Prozess gegen den deutschen Schüler Marco ist im türkischen Antalya abermals vertagt worden. Der 17- Jährige bleibt bis zum nächsten Verhandlungstag am 14. Dezember in Untersuchungshaft, teilte ein Justizsprecher mit. Der Junge aus dem niedersächsischen Uelzen ist angeklagt, in den Osterferien die 13- jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht zu haben. Er bestreitet den Vorwurf. Marco sitzt seit mehr als sieben Monaten hinter Gittern. Marco wurde zudem in ein anderes Gefängnis verlegt, wie Justizkreise bestätigten. Seine Anwälte wollten dies zunächst nicht kommentieren.

Indessen mahnt der Strafrechtler Prof. Hans-Heiner Kühne die türkische Justiz zu einer zügigen Prozess-Fortsetzung. In den kommenden fünf Wochen wird das türkische Gericht seiner Einschätzung nach ein Urteil fällen müssen. Das Gericht in Antalya müsse dringend versuchen, zu einer verwertbaren Aussage der 13 Jahre alten britischen Belastungszeugin zu gelangen. Anderenfalls bewege sich das Verfahren außerhalb des Rahmens der europäischen Menschenrechte, sagte Kühne. Kühne ist der deutsche Berater in Menschenrechtsfragen für das türkische Außenministerium. Der Prozess gegen den seit sieben Monaten inhaftierten Schüler aus Uelzen wird an diesem Dienstag fortgesetzt.

"Das Gericht muss sich jetzt sehr energisch darum bemühen, entweder mit einer richterlichen Vernehmung oder einer Videoschaltung mit Charlotte zu einer verwertbaren Aussage zu kommen. Alles andere führt zu nichts", sagte der Strafrechtler an der Universität Trier. Ansonsten müsse das Gericht auf Basis der vorhandenen Informationen sehr schnell zu einer Entscheidung kommen. "Wenn das nicht innerhalb der nächsten fünf Wochen geschieht, wird sich das Gericht außerhalb des Rahmens bewegen, der durch den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gesteckt ist." Wegen der langen Untersuchungshaft hatten Marcos Anwälte bereits eine Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angekündigt.

Der Rechtsexperte kritisierte aber auch das Vorgehen der deutschen Politik im Fall Marco. Die türkische Regierung in diesem Fall unter Druck zu setzen, "war das Dümmste, was man hat machen können".

Die Haftbedingungen von Marco sind nach Kühnes Einschätzung nicht schlimmer als in Deutschland. Im Gegensatz zum deutschen Vollzug sei es üblich, die Menschen in einer Gemeinschaftszelle unterzubringen und ihnen tagsüber mehr Bewegungsfreiheit zu gewähren. "Bei uns kann es einem Häftling blühen, dass er 23 Stunden allein in seiner Zelle hockt und nur eine Stunde Hofgang hat. Was für seine psychische und physische Gesundheit sehr viel schlechter ist, als das, was Marco im Augenblick erlebt."