Bahn: nach vertraulichem Spitzentreffen

Warten auf die Wende!

In einem Flughafen-Restaurant bei Darmstadt soll das Gespräch stattgefunden haben, von dem sich Bahnkunden und Wirtschaft ein Ende der Streikserie versprechen. Laut Verkehrsminister Tiefensee wird die Bahn der GDL ein neues Angebot vorlegen.

Frankfurt/Berlin. Nach dem tagelangen Streik im Güter- und Personenverkehr haben sich die Spitzen von Deutscher Bahn und GDL am Dienstag zu vertraulichen Gesprächen getroffen. Über Inhalte des Treffens wurde zunächst nichts bekannt. Die GDL kündigte an, nach dem Treffen kurz zu informieren. "Zwischenstände" würden aber nicht an die Öffentlichkeit getragen, sagte der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell.

Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wird die Bahn der GDL ein neues Angebot vorlegen. Das sagte er am Rande der deutsch-italienischen Regierungskonsultationen in Meseberg bei Berlin, an denen zeitweise auch Bahnchef Hartmut Mehdorn teilnahm. Ob das dann eine tragfähige Basis für neue Verhandlungen darstelle, sei offen. "Die Positionen sind leider davon noch weit entfernt", sagte Tiefensee am Dienstagnachmittag. Er appellierte an die Konfliktparteien, in Verhandlungen einzutreten.

Bahnchef Mehdorn, Bahn-Personalvorstand Margret Suckale, GDL-Chef Schell und GDL-Vize Claus Weselsky hatten sich nach Informationen des Hessischen Rundfunks am Vormittag am Flugplatz Egelsbach bei Darmstadt in einem Restaurant getroffen. Am Mittag sollen Mehdorn und Suckale in einem Kleinflugzeug weggeflogen sein.

Nach monatelangem Tarifstreit und dem zuletzt dreitägigen Streik im gesamten Schienenverkehr der Bahn war in den vergangenen Tagen plötzlich wieder Bewegung in den festgefahrenen Konflikt gekommen. In der ARD-Talkshow "Anne Will" trafen am Sonntagabend Suckale und Schell aufeinander. Dabei rief Suckale Schell zu neuen Verhandlungen auf Grundlage des bestehenden Angebots vom Oktober auf.

Am Montag waren dann Mehdorn und Schell mit Bundesverkehrsminister Tiefensee zusammengetroffen. Er sagte danach, Mehdorn habe zugesagt, ein neues Angebot vorzulegen. Ziel sei dabei, eine Verhandlungsgrundlage zu schaffen, die der GDL ermögliche, weitere Streiks auszusetzen. Die Gewerkschaft hatte Ende vergangener Woche mit unbefristeten Streiks bei der Bahn gedroht.

Das bisherige Angebot der Bahn enthält 4,5 Prozent mehr Geld, 600 Euro Einmalzahlung sowie weitere Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und deutliche Einkommensverbesserungen im zweistelligen Prozentbereich.

Schon vor Beginn des Treffens der Spitzenvertreter von Bahn und GDL forderte der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, ebenfalls ein neues Angebot der Bahn. Er gehe davon aus, dass die Bahn "auch die Interessen der übrigen Bahnangestellten" berücksichtige. Auch Transnet führe seit Monaten Verhandlungen um die Verbesserung der Entgeltstruktur bei der Bahn.