Unglück: Erneut Tankerhavarien

Schwerste Ölpest seit Jahren erwartet

Am Wochenende kam es erneut zu folgenschweren Tankerunglücken, diesmal in Russland. Bei einem schweren Unwetter im Schwarzen Meer sind am Sonntag vor der Halbinsel Krim mindestens vier Schiffe gesunken. Insgesamt waren mindestens zehn Schiffe in Seenot geraten.

Moskau / San Fracisco. Der russische Frachter "Wolganeft-139" war einer von vier Tankern, die am Wochenende in stürmischer See im nördlichen Schwarzen Meer gesunken waren. Das mit Heizöl beladene Tankschiff kenterte in der Straße von Kertsch und brach auseinander, wie die russischen Umweltbehörden mitteilten. Die Besatzung aus 13 Seeleuten konnte gerettet und in den nächsten Hafen gebracht werden. Zu den gekenterten Tankern gehört auch die "Nachitschewan". Auch dieser ging in der Strasse von Kertsch in 5,50 hohen Wellen unter. Die Schifffahrtsstraße verbindet das Schwarze mit dem Asowschen Meer.

Im Gewässer vor der Hafenstadt Sewastopol ertranken zwei russische Seeleute, als ihr mit Metallschrott beladenes Frachtschiff im Unwetter unterging. Das zur Mittagszeit aufziehende Unwetter ließ beinahe im Halbstundentakt die Frachtschiffe in der viel befahrenen Straße von Kertsch kentern.

Die Havarien der Frachtschiffe seien auf deren schlechten Zustand und Fehler der Besatzungen zurückzuführen, sagte der Leiter des russischen Seenotrettungsdienstes, Anatoli Jantschuk. Zudem beklagte er zu ungenaue Unwetterwarnungen in der Region östlich der zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim. Russische Umweltbehörden befürchten die schwerste Ölpest seit Jahren.

Bereits am vergangenen Mittwoch rammte der Frachter "Cosco Busan" einen Pfeiler der Bay Bridge zwischen San Francisco und Oakland und verlor dabei 220.000 Liter Öl. Die Ölkatastrophe in der Bucht von San Francisco nimmt immer größere Ausmaße an. Am Freitag hatte der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger für die angrenzenden Gewässer und Strände den Notstand ausgerufen, um somit rasch zusätzliche Mittel für die Beseitigung der Ölverschmutzung bereitstellen zu können. Bis zum Sonntag haben Tierschützer und Reinigungstruppen knapp 400 verölte Vögel lebend geborgen. 30.000 Tiere starben bereits durch die Ölverschmutzung. Die Zahlen dürften bei der auf Monate angesetzten Säuberung drastisch steigen, so die Befürchtung von Umweltschützern. Auch Robben und andere Meerestiere seien bedroht. 46 Boote und mehr als 700 Helfer waren am Wochenende im Einsatz, um den klebrigen Ölteppich einzudämmen und verschmutze Strände zu säubern, berichtete der "San Francisco Chronicle" am Montag.

Gegen die Betreiber des leckgeschlagenen Frachters "Cosco Busan" wird strafrechtlich ermittelt. Das Schiff hatte am Mittwoch einen Pfeiler der Bay Bridge zwischen San Francisco und Oakland gerammt. Die Küstenwache vermutet menschliches Versagen. Es wird unter anderem geprüft, ob das Schiff bei dichtem Nebel zu schnell fuhr und ob es Pannen bei der Kommunikation mit der chinesischen Besatzung gab.

Die letzte schwere Ölpest in San Francisco liegt knapp 20 Jahre zurück. 1988 waren durch ein defektes Rohr einer Raffinerie mehr als 1,5 Millionen Liter Öl ausgelaufen. Hunderte Vögel und Meeressäuger kamen damals ums Leben. 1996 verlor ein Frachter vor San Francisco 150 000 Liter Öl, das sich schnell in der gesamten Bucht ausbreitete.