GDL zieht positive Streik-Bilanz und stellt neues Ultimatum

Die Bahn AG richtet sich derweil auf eine Eskalation im Arbeitskampf ein. In einer außerordentlichen Aufsichtssitzung soll desweiteren ein Schlichter vorschlagen werden.

Frankfurt/Main. Nach dem Ende ihres bislang massivsten Streiks hat die Lokführergewerkschaft GDL der Bahn ein neues Ultimatum gestellt. Bis Montag habe die Konzern-Führung Zeit, ein neues Angebot vorzulegen, sagte der GDL-Vorsitzende Manfred Schell am Samstag. So lange werde definitiv nicht gestreikt. Bis spätestens Dienstag werde dann entscheiden, ob und wann es mit Streiks im Fern-, Nah- und Güterverkehr weitergehe.

Mit der Wirkung ihres 42-Stunden-Streiks im Frachtverkehr zeigte sich die Gewerkschaft zufrieden: Zwischen Samstag 0.00 Uhr und 06.00 Uhr hätten bundesweit fast alle Güterzüge stillgestanden. Laut Bahn-Führung werden die Auswirkungen des Streiks noch für Wochen spürbar bleiben. Insgesamt beteiligten sich laut GDL rund 2.600 Lokführer an dem Arbeitskampf.

Ihr Chef Schell appellierte an den Arbeitgeber, jetzt ein neues Angebot vorzulegen: "Wenn der Bahn die Kunden nicht völlig egal sind, sollte sie dies tun." Mit bezahlten Überstunden und einer bezahlten Arbeitszeiterhöhung werde sich die Gewerkschaft niemals begnügen.

Die Bahn AG richtet sich derweil auf eine Eskalation im Arbeitskampf ein. "Auf uns kommt eine schwierige Woche zu. Ich gehe davon aus, dass die Streiks ausgeweitet werden", sagte Aufsichtsrat Georg Brunnhuber der "Bild am Sonntag". In einer außerordentlichen Aufsichtssitzung werde er die Einberufung eines Schlichters vorschlagen.

Derweil signalisierte die GDL Zustimmung zu Überlegungen, die Lokführer in eine eigene Service-GmbH auszugliedern. "Für die Lokführer wäre das sicher etwas Lohnenswertes", sagte der stellvertretende Vorsitzende Günter Kinscher. Mit einer Ausgliederung dürften aber keine sinkenden Tarifgehälter verbunden sein.

Der Streit zwischen der Spitze der GDL und führenden SPD-Politikern spitzte sich weiter zu. SPD-Fraktionschef Peter Struck forderte die Bahn zu Härte gegenüber der GDL auf. Er stehe klar auf der Seite von Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Transnet-Vorsitzenden Norbert Hansen, sagte Struck der "Bild am Sonntag". Es könne keinen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer geben: "Es muss gelten: ein Betrieb, ein Tarif."

Im Gegenzug kritisierte die Lokführergewerkschaft das Verhalten der SPD. Diese habe "ein hohes Interesse daran, dass eine Gewerkschaft, die 80 Prozent der Lokomotivführer organisiert, nicht unbedingt erfolgreich ist", sagte der stellvertretende GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Samstag im MDR info. Er sprach im Zusammenhang mit der SPD von "erfolgreichem Gehorsam zu den DGB-Gewerkschaften mit dem Ruf nach Tarifeinheit, dem Ruf nach schwachen Gewerkschaften". Wie das zu einer sozialdemokratischen Partei passe, erschließe sich der GDL nicht.

Auch die Gewerkschaft Transnet griff die Konkurrenz-Organisation GDL an. Ihr Chef Norbert Hansen warnte vor einem Verlust von Arbeitsplätzen bei der Deutschen Bahn als Folge der Lokführer-Streiks. "Die GDL darf es mit ihren Streiks nicht übertreiben", sagte Hansen der Hannoverschen "Neuen Presse". Würden wegen des Arbeitskampfes Bahnkunden dauerhaft abspringen, sei niemandem geholfen. "Dann bekommen die Lokführer am Ende vielleicht mehr Geld, aber jeder Dritte verliert seinen Arbeitsplatz." Hansen sagte weiter, wenn durch den Streik "das Geld aufgezehrt" werde, das für eine Verbesserung der Entgeltstruktur bereits vorgesehen sei, litten alle Beschäftigten darunter. "Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie andere Geld verbrennen, das wir dringend brauchen."

Transnet droht ebenfalls mit Streik

In der Debatte um die Bahn-Privatisierung droht unterdessen die Gewerkschaft Transnet mit Streiks: Die Gewerkschaft wolle notfalls alles tun, um den Beschäftigungssicherungstarifvertrag zu erhalten, sagte Transnet-Sprecher Michael Klein der AP-Anfrage. Er bestätigte einen Bericht der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung". Diese hatte berichtet, Transnet wolle zum Streik aufrufen, falls die Bundesregierung das neue Privatisierungsmodell ohne Rücksicht auf die Beschäftigten vorantreibe.