Merkel besucht Bush in Texas

Mit der Einladung auf die "Prairie Chapel Ranch" pflegt der US-Präsident eine besondere Verbundenheit zu internationalen Partnern zu demonstrieren. 14 Staats- und Regierungschefs waren bereits dort, der letzte Besuch dieser Art liegt allerdings mehr als zwei Jahre zurück.

Crawford. Anfang der Woche hatte George W. Bush den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy noch im Smoking zum Dinner im Weißen Haus empfangen. Als er am Freitagnachmittag Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren Ehemann Joachim Sauer auf seiner Ranch im texanischen Crawford begrüßte, trug er Jeans, ein kurzärmliges blaues Hemd und schwarze Stiefel. "Wenn man in Texas jemanden nach Hause einlädt, ist das ein Ausdruck von Wärme und Respekt", sagte Bush zur Begrüßung. "Und so empfinde ich auch für Kanzlerin Merkel."

Während für den ersten Staatsbesuch Sarkozys in Washington großer protokollarischer Aufwand betrieben wurde, ist der Verzicht auf Förmlichkeiten in Crawford Programm. Auf Bushs Ranch gilt Krawattenverbot und auch das Programm für die 21-stündige Visite wurde nur grob festgelegt. Er wolle mit der Kanzlerin unternehmen, "wozu sie Lust hat", hatte der US-Präsident bereits vor einigen Tagen angekündigt. Vor allem werde es darum gehen, sich in einer besonderen Atmosphäre zu unterhalten. "Hier geht es nicht so förmlich zu. Das kann einem Gespräch unter Freunden sehr zuträglich sein."

Mit der Einladung auf die "Prairie Chapel Ranch" pflegt der US-Präsident eine besondere Verbundenheit zu internationalen Partnern zu demonstrieren. 14 Staats- und Regierungschefs waren bereits dort, der letzte Besuch dieser Art liegt allerdings mehr als zwei Jahre zurück.

Merkel war am Freitagmorgen mit einer kleinen Delegation in Berlin abgeflogen. Nur wenige Beamte aus dem Kanzleramt, dem Bundespresseamt, vom Protokoll, Bodyguards und zehn Journalisten begleiten sie auf der Reise, die insgesamt weniger als 48 Stunden dauern wird. Fast 14 Stunden war Merkel nach Texas unterwegs - inklusive Tankstopp im kanadischen Montreal. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) landete sie auf der größten Militärbasis der USA, Fort Hood, und wurde anschließend von dort mit einem Helikopter zur "Prairie Chapel Ranch" gebracht.

Bush und seine Frau Laura holten die beiden Gäste aus Deutschland vom Landeplatz mit einem weißen Pick-up-Truck ab, den der Präsident selbst steuerte. Von dort aus starteten sie eine Rundfahrt über die Ranch, die mit 648 Hektar so groß ist wie 1.300 Fußballfelder. Neben dem Hauptgebäude und den Gästehäusern gehören dazu mehrere Canyons und ein großer künstlicher Teich.

Merkel und Bush einig

Der Atomstreit mit dem Iran kann nach Auffassung von US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diplomatisch gelöst werden. Nach mehrstündigen Gesprächen bei ihrem Besuch sagte Merkel, sie sei davon überzeugt, dass es die diplomatischen Mittel gebe, um Teheran zum Einlenken zu bewegen. Bush versuchte den Eindruck zu zerstreuen, dass die USA an eine kriegerische Lösung des Konflikts dächten. "Wir arbeiten zusammen", sagte Bush.

Merkel äußerte die Überzeugung, dass die wirtschaftlichen Kontakte zwischen der Bundesrepublik und dem Iran weiter reduziert werden müssten, falls die Situation sich nicht bessere. Gemeinsam mit der deutschen Industrie werde sie dann über eine Einschränkung der Handelsaktivitäten beraten.

Merkel und Bush sprachen auch über eine Reform des UN-Sicherheitsrates. Die Kanzlerin hob hervor, dass sie beim amerikanischen Präsidenten Interesse an einer Reform des wichtigsten Gremiums der Vereinten Nationen gespürt habe. Bush bezeichnete Deutschland nach wie vor nicht als einen Kandidaten für die Erweiterung des Gremiums. Er zeigte sich aber offen für "gute Ideen".