Bahn: Güterverkehr

Wirtschaft auf Streik vorbereitet

Seit 12 Uhr legt die GDL den Güterverkehr lahm. Deutschlandweit wurden Notfallpläne erstellt und Krisenstäbe eingerichtet. Am Hamburger Hafen drohen bis zu 75 Prozent der Güterzüge auszufallen.

Hamburg. Die Wirtschaft hat sich mit Notfallplänen auf zu erwartenden Engpässe durch die massiven Streiks im Bahn-Güterverkehr vorbereitet.

Der Chef der Lokführergewerkschaft (GDL), Manfred Schell, hatte gestern angekündigt, von heute 12 Uhr an den Güterverkehr der Deutschen Bahn 42 Stunden zu bestreiken - also bis Samstagmorgen. Mit den Streiks will die GDL der Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag und bis zu 31 Prozent mehr Geld durchsetzen.

Die Hamburger Hafenbehörde Port Authority hat einen Krisenstab eingerichtet. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Hafenbahn und den möglicherweise betroffenen Betrieben wurde eingesetzt, berichtete Sprecherin Christiane Kuhrt. "Das wird sehr, sehr eng werden." Nach ihrer Einschätzung könnten bis zu 75 Prozent der 200 täglichen Güterzüge im Hafen ausfallen. Die zur HPA gehörende Hafenbahn stellt nur die Schieneninfrastruktur zur Verfügung, auf der die Deutsche Bahn und private Bahnunternehmen ihre Züge fahren lassen.

Nach Angaben der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) werden etwa 30 Prozent der angelandeten Waren mit der Bahn weiter transportiert. Die Auswirkungen auf die HHLA seien noch nicht abzuschätzen, sagte eine Sprecherin.

Die Reederei Hapag-Lloyd kündigte an, Schiffe notfalls umzuleiten oder auf See warten zu lassen. Die Autoindustrie ist bei der Anlieferung von Teilen und beim Abtransport der Autos auf die Bahn angewiesen. Einige Unternehmen wie ThyssenKrupp Steel haben mit der Bahn Sondervereinbarungen getroffen. Verkehrsströme auf die Straße zu verlagern, ist nach Ansicht des Bundesverbands Spedition und Logistik (BSL) kaum möglich. Die Lastwagen seien ausgelastet.

Befürchtungen, der Streik werde drastische Folgen haben, wies der GDL-Vorsitzende Manfred Schell zurück: "Es wird weder einer verhungern, noch wird einer erfrieren in Deutschland." Das Recht, auch im Personenfernverkehr und im Güterverkehr zu streiken, hatte sich die GDL am vorigen Freitag vor dem Sächsischen Landesarbeitsgericht in Chemnitz erkämpft. Im Güterverkehr der Deutschen Bahn sind laut GDL 5500 Lokführer beschäftigt, von denen 80 Prozent in der Gewerkschaft organisiert sind.

Die Bahn hatte die GDL zwar unmittelbar nach der Streikankündigung zur Wiederaufnahme von Verhandlungen eingeladen. Die GDL wies dies aber ebenso prompt zurück. Weitere Streiks können nur noch verhindert werden, wenn die Bahn schriftlich ein verhandlungsfähiges Angebot über Arbeitszeit und Gehalt vorlege, betonte der GDL-Vorstand.

Schell drohte der Bahn bereits mit einer weiteren Eskalation des Tarifkonflikts: Der Regional- und S-Bahnverkehr soll zwar in dieser Woche zunächst von weiteren Arbeitsniederlegungen verschont bleiben. Sollte sich der Bahnvorstand nicht auf die GDL zubewegen, sehe sich die GDL "zu weiteren Arbeitskämpfen gezwungen", sagte Schell. Als Zeitraum nannte er die Woche vom 12. bis 16. November. "Dann werden wir uns nicht auf einen Bereich beschränken, sondern im Nah-, Fern- und Güterverkehr streiken." Zudem könnten die Streiks dann auch unbefristet sein.