Weihnachtsaktion weltweit ein Renner

Bescherung aus dem Schuhkarton

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Der Verein «Geschenke der Hoffnung» ruft auch in diesem Jahr zu Spenden für Kinder in Not auf. Weihnachtsgeschenke in Schuhkartons verpackt können bis zum 17. November an mehreren Sammelstellen auch in Hamburg abgegeben werden. Die Kartons sollen an bedürftige Kinder in Osteuropa verschickt werden.

Petra Langkamp öffnet die Tür ihres Wohnhauses in Bad Essen bei Osnabrück. Vor ihr steht Birgit Hilgert mit einem in Geschenkpapier verpackten Schuhkarton. "Ich bin schon neugierig, was da drin ist", sagt Langkamp. Schnell öffnet sie den Deckel der Schachtel und sieht im Inneren Bonbons, Zahnbürsten, Stifte und ein Spielzeugauto. Seit drei Jahren nimmt Langkamp verpackte Schachteln entgegen, die für arme Kinder in aller Welt bestimmt sind. Die 40-Jährige leitet eine von bundesweit mehr als 2000 Sammelstellen der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton".

Das in diesem Jahr zum zwölften Mal gestartete Projekt ist rund um den Erdball ein Renner: Im Jahr 2006 packten großzügige Helfer 7,6 Millionen Schachteln. "Es ist weltweit die größte Geschenkaktion für Kinder in Not", sagt Diana Molnar. Sie leitet das vom Berliner Verein "Geschenke der Hoffnung" organisierte Projekt im deutschsprachigen Raum. Etwa 413 000 Schuhkartons wanderten im vergangenen Jahr aus Deutschland in fast 20, meist osteuropäische Länder.

Kurz vor Weihnachten treffen Lastwagen mit den Schachteln bei Waisenheimen, Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern ein. Molnar war im vergangenen Jahr bei einer Bescherung in einem bulgarischen Kindergarten dabei. "Wenn die Kinder die Kartons auspacken, gibt es kein Halten mehr", berichtet Molnar. "Ein Mädchen hat vor Freude geschrien, als es in seinem Karton einen Pullover fand."

Vor 17 Jahren kam der walisische Geschäftsmann Dave Cooke mit seiner Schwester auf die Idee, Geschenke in Kartons zu verpacken - rumänische Waisenkinder waren die ersten Empfänger. Die Berliner Journalistin Irmhild Bärend hörte von der unkonventionellen Aktion. "Ich war zu Tränen gerührt", erinnert sie sich. "Ein Karton als Zeichen dafür, dass jemand an ein in Not geratenes Kind denkt." Bärend stellte in einem Magazin die Aktion vor. Die Resonanz war riesig: Binnen weniger Tage schickten Leser rund 1600 Kartons in das Büro der Berlinerin. "Mir war klar: Die Aktion läuft", sagt die heute 68-Jährige.

So fiel 1996 auch in Deutschland der Startschuss für das Projekt. Nicht jeder teilt die Euphorie von Bärend: So befürwortet das Hilfswerk Misereor Geldspenden anstatt von Sachgeschenken. "Es ist wichtiger, Kindern in armen Ländern eine langfristige Perspektive zu bieten", meint Misereor-Sprecher Michael Mondry.

Dagegen ist Kartonpackerin Birgit Hilgert begeistert von der Idee. "Ich finde es gut, dass alle Kartons in etwa gleich groß sind", sagt sie. "Dann kommt unter den Kindern kein Neid auf." Die in den Schachteln gepackten Geschenke müssen bestimmte Normen erfüllen: Wegen strenger Einfuhrregeln der Empfängerländer dürfen keine gelatinehaltigen Süßigkeiten in die Kartons. "Außerdem nehmen wir nur neue Waren an", sagt Projektleiterin Molnar.

Auch Petra Langhorst kontrolliert sorgfältig die bei ihr abgegebenen Schachteln. "Der ist vollkommen in Ordnung", bemerkt sie und stellt den Schuhkarton von Birgit Hilgert zur Seite. Noch bis zum Ende der Aktion am 17. November sammelt sie weiter. Und dann wird ein Lastwagen vorfahren, der die vielen Schmuckstücke nach Osteuropa transportiert. "Die Abgabe der Kartons ist immer ein besonderer Augenblick", sagt Langhorst und lächelt. "Und zum Abschied werde ich bestimmt wieder dem Lastwagen hinterher winken."

( dpa )