Arbeitskampf: Bahn bereitet sich vor

Ersatzfahrpläne für den 30-Stunden-Streik

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Donnerstag und Freitag müssen sich Bahnkunden erneut auf Behinderungen im Regional-und S-Bahnverkehr einstellen. Die Bahn will die Hälfte des üblichen Nahverkehrs sicherstellen.

Hamburg. Vor dem bisher längsten Streik bei der Deutschen Bahn hat sich der Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL nochmals verschärft. Bahn-Personalchefin Margret Suckale forderte den Gewerkschaftsvorsitzenden Manfred Schell am Mittwoch auf, seine Kur abzubrechen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Schell verlangte daraufhin Suckales Rücktritt, sofern sie kein neues Angebot vorlegen wolle. Der 30-stündige Lokführerstreik im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen beginnt am frühen Donnerstagmorgen um 2.00 Uhr und endet am Freitag um 8.00 Uhr. Vor allem Berufspendler müssen sich auf massive Behinderungen einstellen. Der ADAC erwartet mehr Staus, aber kein Chaos auf den Straßen.

Mit Ersatzfahrplänen will die Bahn im Durchschnitt gut die Hälfte des üblichen Nahverkehrs sicherstellen. Die GDL hat als Streikziel eine Ausfallquote von 80 Prozent der Regionalzüge genannt. Die Bahn erwartet wie bei den jüngsten Arbeitsniederlegungen besonders starke Störungen in Ostdeutschland und bei den S-Bahnen in München und Berlin. Sie will zusätzlich 200 Busse einsetzen. Außerdem sind zusätzliche Haltepunkte von ICE- und IC-Zügen geplant. Die Bahn will dies kurzfristig je nach Bedarf entscheiden.

Bahnmanagerin Suckale hatte Äußerungen Schells in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" so verstanden, dass dieser bereit sei, Lohnsteigerungen in Schritten über mehrere Jahre zu vereinbaren. "Jetzt lassen Sie Ihren Worten auch Taten folgen, kommen Sie an den Verhandlungstisch, Herr Schell, wir warten", sagte Suckale. Mehr Lohn für Lokführer über mehrere Jahre könne man sofort im Rahmen der Tarifverhandlungen zur Entgeltstruktur vereinbaren. Außerdem könnten die Lokführer zusätzlich einmalig 1400 Euro erhalten, wenn ihnen bereits geleistete Überstunden ausbezahlt würden.

Basis des Bahnangebots ist nach wie vor der Abschluss, der mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart wurde. Er sieht 4,5 Prozent mehr Einkommen und eine Einmalzahlung von 600 Euro vor.

Schell wies darauf hin, die GDL habe bislang kein neues Angebot bekommen. Das bedeute, dass das Fahrpersonal außer bezahlten Überstunden "keinerlei Verbesserungen" im Vergleich zu dem Abschluss mit Transnet und GDBA erhalten solle. Nur bei Vorlage eines "substanziellen Verhandlungsangebots" werde er, Schell, an den Verhandlungstisch kommen. "Sollte Frau Suckale jedoch von der Richtigkeit ihres bisherigen Angebots überzeugt sein, sollte sie ihr Amt unverzüglich zur Verfügung stellen", fügte er hinzu.

Suckale hatte zuvor festgestellt, dass Schells Stellvertreter Claus Weselsky, der während der dreiwöchigen Kur des Vorsitzenden dessen Amtsgeschäfte übernimmt, das Vermittlungsergebnis von Ende August "offenbar" verlassen habe. Anders sei es nicht zu erklären, dass er nun wieder einen Tarifvertrag für das gesamte Fahrpersonal fordere und nicht nur für die Lokführer.

In dem Vermittlungsergebnis hieß es, die Bahn sei bereit, mit der GDL "einen eigenständigen Tarifvertrag abzuschließen, der Entgelt und Arbeitszeitregelungen für Lokomotivführer umfasst". Dieser Vertrag sollte "konflikt- und widerspruchsfrei" in das gesamte Tarifwerk eingebettet werden.

Nach einer von der Bahn in Auftrag gegebenen Studie schneiden ihre Lokführer mit ihren Löhnen im nationalen Vergleich nicht schlecht ab. Die Höhe ihres Einkommens liege etwas über dem Durchschnittslohn in Deutschland und oberhalb der Löhne von Arbeitnehmern vergleichbarer Berufe, heißt es in einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftforschung (DIW), die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. Facharbeiter im produzierenden Gewerbe erhalten demnach im Durchschnitt geringere Stundenlöhne als Lokführer der Bahn. Berufskraftfahrer verdienten deutlich weniger als Lokführer.