RAF-Terroristen wurden Mitte der 70er Jahre intensiv abgehört

Die Abhörmaßnahmen gegen die in Stammheim einsitzende RAF-Führung waren Mitte der 70er Jahre nach einem "Spiegel"-Bericht umfangreicher als von den beteiligten Behörden bisher eingeräumt.

Stuttgart. Die Abhörmaßnahmen gegen die in Stammheim einsitzende RAF-Führung waren Mitte der 70er Jahre nach einem "Spiegel"-Bericht umfangreicher als von den beteiligten Behörden bisher eingeräumt. Dies gehe aus einem seit 31 Jahren geheim gehaltenen Dokument hervor, das im baden-württembergischen Innenministerium liegt, schreibt das Magazin. Es weist auf eine Lauschaktion im Zusammenhang mit der Entführung einer französischen Linienmaschine im Sommer 1976 nach Entebbe (Uganda) hin. Eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums bestätigte dies auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Bisher hatten Justiz- und Innenministerium in Stuttgart gesagt, dass es nur zwei Abhöraktionen im siebten Stock in Stammheim gegeben habe: während des Überfalls auf die deutsche Botschaft in Stockholm 1975 und nach der Festnahme des früheren RAF-Verteidigers Siegfried Haag zum Jahreswechsel 1976/77. In einer Antwort der baden-württembergischen Ministerien für Justiz und Inneres auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger heißt es jetzt jedoch: "In den vorliegenden Akten weist ein einzelnes Dokument darauf hin, dass es im Zeitraum zwischen den beiden Maßnahmen noch eine dritte in den Besucherzellen gegeben haben könnte."

Andere Dokumente, die in zeitlicher Nähe verfasst wurden, widersprächen dem Schriftstück allerdings, heißt es in der Anfrage weiter, die der dpa vorliegt. Auch "eine Befragung der damals verantwortlichen Beamten des Landeskriminalamtes erbrachte bisher keine Bestätigung für eine dritte Abhörmaßnahme".

Laut "Spiegel"-Bericht ging es dem Landeskriminalamt bei der dritten Lauschaktion darum, aus den Gesprächen der RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin mit ihren Verteidigern Hinweise auf die Planungen der Entführer zu erhalten. An der Kaperung durch ein Kommando der palästinensischen Terrororganisation PFLP waren auch zwei Mitglieder der mit der RAF gelegentlich kooperierenden Revolutionären Zellen, Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, beteiligt. Bei der Befreiung durch ein israelisches Spezialkommando wurden drei Geiseln und sieben Terroristen getötet, darunter auch die beiden Deutschen.