München: Prozess

Lebenslang für "Ehrenmörder"

Als sie sich von ihm trennen wollte, beschloss der Iraker seine Frau möglichst grausam umzubringen: Er stach zwölf Mal auf sie ein, bis die Klinge abbrach, übergoss sie mit Benzin und verbrannte sie bei lebendigem Leib.

München. Wegen eines besonders grausamen "Ehrenmordes" an seiner frisch geschiedenen Ehefrau ist ein 36-jähriger Iraker in München zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt worden. "Nur die Unterwerfung unter seinen Willen hätte ihr den Tod erspart", stellte das Schwurgericht in der Urteilsbegründung fest. Der Angeklagte Kazim M. nahm das Urteil lächelnd entgegen. Vor den Augen ihres fünfjährigen Sohnes hatte er seine Frau Sazan im Oktober 2006 auf offener Straße niedergestochen, mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt.

"Sie haben das Wort Ehre in den Mund genommen, aber es ging Ihnen um die Macht über Ihre Frau", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl zum Angeklagten. Dieser erklärte in dem Prozess, sie habe den Tod verdient. "Ich bin sehr froh, dass ich die Tat begangen haben", sagte er in seinem Schlusswort. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest und schloss damit eine Haftentlassung nach 15 Jahren aus.

Kazim M. verachte die deutsche Rechtsordnung, sagte der Richter. Für ihn sei es "ein Fehler, dass hier die Frauen überhaupt Rechte haben. Er wirft den Behörden und der Justiz vor, dass sie diese Rechte schützen." Sazan B. habe ihn als 17-jährige Mädchen im Irak heiraten müssen: "Sie beugte sich damit dem Willen ihres Vaters." Als sie sich nach fünf Jahren in Deutschland nach mehrfachen Misshandlungen von ihm trennte, habe er auch "das Gerede seiner Landsleute" gefürchtet, "er könne sich bei seiner Frau nicht durchsetzen", erklärte Götzl. Deshalb habe er schon Monate vorher beschlossen, sie möglichst grausam umzubringen.

Als die Frau mit dem Kind nach der Scheidung nach Hause wollte, stach Kazim M. ihr mit einem Stiefelmesser zwölf Mal in Kopf und Körper, bis die Klinge abbrach. Dann übergoss er sie mit Benzin und zündete sie an. "Sie hat mich verraten. Sie hat es verdient!", hatte er zum Prozessauftakt erklärt und betont, er würde es wieder tun. Auch die Familie der Frau habe das von ihm verlangt.

Dass der kleine Sohn bis heute unter der Bluttat leide, sei dem Angeklagten egal, sagte der Richter: "Er ist der Ansicht, in Fragen der Ehre könne keine Rücksicht auf Kinder genommen werden." Seiner 24-jährigen Frau habe er möglichst große Schmerzen zufügen wollen. Deshalb habe er sie angezündet und auch überlegt, "sie an sein Auto zu binden und zu Tode zu schleifen".

Kazim M. "sprach seiner Frau das Recht ab, gegen seinen Willen zu handeln", sagte der Richter. Nach der Trennung habe er sie trotz eines Kontaktverbots "überwacht, ihre Post kontrolliert, es kam zu Gewalttätigkeiten und Drohungen". Aber "für sich selbst nahm er schon in Anspruch, ein sexuelles Verhältnis mit einer Vietnamesin zu beginnen", kritisierte Götzl. Polizisten und Behörden hätten ihm zwar deutlich gemacht, "dass sie im Recht und er im Unrecht ist", aber er sei ichbezogen und ohne Einfühlungsvermögen. "Auch der kulturelle Hintergrund mag ihn prägen", sagte Götzl und sprach von einem "Ehrenmord" aus niedrigen Beweggründen.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte ebenfalls auf lebenslange Haft plädiert, aber ohne Feststellung der besonders schweren Schuld. Die bayerische Justizministerin Beate Merk sagte: "Wer die fundamentalen Rechte von Frauen und Kindern nicht akzeptiert, den kann unsere Rechtsgemeinschaft nicht dulden!"