Skurril: Frau bohrt Mann ins Ohr

Ungewöhnlicher Mordversuch

Eine 42 Jahre alte Frau muss sich seit heute vor dem Hamburger Landgericht verantworten, weil sie laut Anklage ihrem schlafenden Ex-Mann einen 35 Zentimeter langen Bohrer ins Ohr gestoßen hat. Das Opfer überlebte die Attacke schwer verletzt.

Hamburg. In einem Brief, den der Richter zum Prozessauftakt verlas, räumte die Frau die Tat vom April 2005 zwar ein. Mordabsichten, wie die Staatsanwaltschaft ihr vorwirft, stritt die Angeklagte jedoch ab. "Ich wollte meinen Ex-Mann nicht absichtlich töten, ich liebe ihn", hieß es in dem Schreiben. Sie habe "in geistiger Verwirrung" gehandelt und sich nur gegen sexuelle Belästigungen durch den Mann wehren wollen, schrieb die Frau.

Die Angeklagte, die ebenso wie das Opfer aus China stammt, war erst fast zwei Jahre nach der Tat im März am Londoner Flughafen Heathrow festgenommen worden. Die 42-Jährige war in ihre Heimat geflüchtet und hatte nach eigenem Bekunden immer wieder Kontakt zu ihrem früheren Ehemann. Da sie sich vor Gericht zunächst nicht äußern wollte, verlas der Richter mehrere Briefe der Frau. Darin schilderte sie ausführlich, von ihrem Ex-Mann misshandelt und mit anderen Frauen betrogen worden zu sein. Auch ihre Tochter habe er geschlagen. Dennoch habe sie ihren ehemaligen Gatten geliebt. "Ich brauchte meinen Ex-Mann, ich war abhängig von ihm", schrieb sie.

Die 42-Jährige, deren Schuldfähigkeit im Prozess von einer psychiatrischen Gutachterin beurteilt werden muss, hatte laut ihrer Briefe in den Monaten vor der Tat unter Depressionen gelitten und Beruhigungsmittel genommen. Am Tattag habe ihr geschiedener Mann sie zu sich eingeladen und sie sexuell genötigt. "Er bestand darauf, dass ich ihm einen Sohn gebären sollte", schrieb die Frau. Dagegen habe sie sich wehren wollen. Details der Tat schilderte die Frau nicht. Das Gericht hat noch zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.