Medien: Geständnis eines TV-Stars

"Schmeißt mich doch raus"

Trotz TV-Karriere ist Fernsehen für Harald Schmidt nur eine leidige Pflicht - eine Sphäre jenseits jeglichen Talents. Und warum dann das Ganze? Ruhm, Erfolg oder Geld? Alles Quatsch. Eigentlich wollte er immer nur „an die Weiber ran.“

Hamburg. Trotz seiner TV-Erfolge geht der Entertainer Harald Schmidt mit dem Fernsehen hart ins Gericht: Er sei froh, künftig nur noch 22 Shows im Jahr zu machen, denn anschließend brauche er ein halbes Jahr "um vom Fernsehen zu entgiften", sagte Schmidt der Wochenzeitung "Die Zeit". Am 25. Oktober geht er mit Oliver Pocher und einer neuen Show im Ersten auf Sendung.

Derzeit arbeitet der Entertainer am Staatstheater Stuttgart. Im Grunde sei das der Ort, an dem er immer arbeiten wollte, sagte Schmidt, der in den späten siebziger Jahren an der Schauspielschule Stuttgart studiert hat. "Theaterarbeit bedeutet, mit Leuten zu arbeiten, die ihren Job können ... Im Fernsehen gilt ja doch eher: Er kann nichts, könnte aber Kult werden", kritisierte er. Im Theater fuße alle Arbeit auf einer großen Tradition.

Die Mühelosigkeit, die er im Fernsehen ausstrahle, verdanke er seinem Gefühl der Gleichgültigkeit: "Schmeißt mich doch raus. Es war mir wirklich egal", wurde Schmidt zitiert. Er habe zunehmend den Eindruck, dass eine Fernsehkarriere den Ruhm nicht wert sei: Zwar kenne er jetzt Franz Beckenbauer und dürfe Bundespräsident Horst Köhler die Hand geben. "Aber dafür dieser ganze Aufwand?"

Das Verlangen nach Sex sei doch der wahre Grund, berühmt werden zu wollen. "Das ist eigentlich die absolut einzige Motivation, auf eine Bühne zu gehen. Die wirklich interessanten Leute geben das auch zu", sagte Schmidt. "Ich wollte Texte überprüfen? Ach Quatsch, ich wollte an Weiber ran." Letztlich habe sich aber auch dafür der ganze Stress nicht gelohnt.