Birma: Tote und Verletzte

Militär schießt auf Mönche

Die Antwort auf den friedlichen Protest der Tausenden Regime-Gegner lautet Gewalt. Schüsse fallen, Demonstranten werden zusammengeschlagen und weggebracht. Unterdessen wächst der Widerstand: Auch in der Hafenstadt Sittwe demonstrierten rund 15 000 Menschen gegen die Junta.

Paris/Rangun. In Birma sind die Sicherheitskräfte erstmals massiv gegen die anhaltenden Demonstrationen vorgegangen. In Rangun setzten sie Tränengas ein, gaben Warnschüsse ab und zerrten sich widersetzende buddhistische Mönche in Lastwagen. Nach unbestätigten Berichten kamen mehrere Mönche ums Leben, es gab mindestens 17 Verletzte. Der französische Diplomat Emmanuel Mouriez und ein in Norwegen lebender Dissident berichteten, die Sicherheitskräfte hätten auf Demonstranten geschossen.

Er wisse nicht, ob es viele Tote oder Verletzte gegeben habe, "aber man kann sicher sein, dass Blut geflossen ist", berichtete Mouriez, ein Diplomat an der französischen Botschaft in Rangun, im französischen Radiosender RTL. Ein Mönch wurde laut einem Bericht des Rundfunksenders Demokratische Stimme Birmas mit Sitz in Norwegen in Rangun getötet, mehrere weitere Mönche wurden bei Zusammenstößen verletzt. Der tödliche Zwischenfall konnte aus anderer Quelle zunächst nicht bestätigt werden.

Die Truppen hätten in die Menge geschossen, sagte der Chefredakteur der Demokratischen Stimme Birmas, Aye Chan Naing, unter Berufung auf Angaben seiner Reporter in Rangun. Diese gingen auch Berichten über den Tod von weiteren drei Mönchen nach. Nach Angaben des in Thailand exilierten Zweigs der Nationalen Liga für Demokratie von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi wurden etwa 300 Mönche und andere Demonstranten festgenommen.

Am neunten Tag der Massenproteste hatten sich rund 10 000 Mönche und Studenten gemeinsam mit Anhängern Suu Kyis einem Versammlungsverbot der Militärs widersetzt. Sie wollten von der Shwedagon-Pagode in die Innenstadt ziehen, wurden aber von Lastwagen der Streitkräfte gestoppt.

Bewaffnete Sicherheitskräfte versuchten, Gruppen von Demonstranten in der Innenstadt von Rangun aufzulösen. Es gab Berichte über Sachschäden, wobei zunächst nicht klar war, ob dies das Werk der Oppositionellen war oder das von die Junta unterstützenden Cliquen, die sich zwischen Soldaten und Polizisten gemischt hatten. Augenzeugenberichten zufolge zündete ein aufgebrachter Mob an der Pagode zwei Motorräder der Polizei an.

"Sie wollen uns töten, Mönche und Nonnen", sagte eine Nonne: "Vielleicht sollten wir zu unserem normalen Leben zurückkehren." Ein Student sagte dagegen mit Blick auf vorbeiziehende Demonstranten: "Wenn sie mutig sind, müssen wir auch mutig sein. Sie riskieren ihr Leben für uns." Die beiden wollten ihre Namen aus Angst vor Repressalien nicht nennen.

Die Sicherheitskräfte nahmen in der Nacht offenbar auch etliche bekannte Regimekritiker fest. So wurde der Kabarettist Zarganar kurznach Mitternacht aus seiner Wohnung zu einer "vorübergehenden Befragung" bei der Polizei geholt, wie Familienangehörige berichteten. Zarganar wurde schon zwei Mal zuvor festgenommen, es wurde ihm verboten aufzutreten. Er leitete zusammen mit dem Schauspieler Kyaw Thu und dem Dichter Aung Way ein Komitee, das diedemonstrierenden Mönche mit Lebensmitteln und anderen Dingen versorgte. Wie Zarganar sollen einige weitere Menschen festgenommen worden sein.

In der zweitgrößten Stadt des südostasiatischen Landes, Mandalay, lieferten sich rund 800 Demonstranten, darunter Mönche und Nonnen, ein Katz-und-Maus-Spiel mit etwa 100 Soldaten, die sie daran hindern wollten, zur Mahamuni-Paya-Pagode zu ziehen. "Wir haben solche Angst. Die Soldaten sind bereit, jederzeit auf Zivilisten zu schießen", sagte ein Mann.

Unterdessen demonstrierten auch in der Hafenstadt Sittwe rund 15 000 Menschen gegen die Militärregierung. Angeführt von Mönchen zogen die Demonstranten durch die 560 Kilometer westlich von Rangun gelegene Stadt, berichteten Augenzeugen. Polizisten säumten die Straßen, über gewaltsame Vorfälle wurde zunächst nichts bekannt.