Naher Osten:

Iran demonstriert militärische Stärke

Mit militärischen Drohgebärden hat der Iran erneut seine unnachgiebige Haltung im Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft demonstriert.

Teheran. Bei einer großen Militärparade in Teheran stellte die iranische Führung am Sonnabend die neue Rakete "Ghadr-1" vor, die mit einer Reichweite von 1800 Kilometern Israel und alle US-Armeestützpunkte in der Region erreichen könnte. Präsident Mahmud Ahmadinedschad betonte in einer Rede, sein Land werde sich keinen Sanktionen beugen. Anders als 2006 waren bei der diesjährigen Parade zahlreiche Militärfahrzeuge mit US-feindlichen und antiisraelischen Parolen zu sehen.

Zu Beginn der Parade flogen drei neue iranische "Saegheh"-Kampfjets über die Hauptstadt Teheran hinweg. Gleichzeitig mit der Rakete "Ghadr-1" wurde eine Rakete vom Typ "Schahab-3" enthüllt, deren Reichweite offiziellen Angaben zufolge 1300 Kilometer beträgt. In der Vergangenheit hatten iranische Militärs bereits angegeben, Raketen mit Reichweiten von 2000 Kilometern entwickelt zu haben. Die Parade fand zur Erinnerung an den Iran-Irak-Krieg statt, der 1980 begann und acht Jahre dauerte.

"Der Iran ist eine einflussreiche Macht in der Region und in der Welt, und die Welt sollte wissen, dass sich diese Macht stets für Frieden, Stabilität, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit eingesetzt hat", sagte Ahmadinedschad zum Auftakt der Parade. Er forderte die USA auf, sich aus dem benachbarten Irak zurückzuziehen. "Die Präsenz illegitimer Kräfte in der Region ist der Grund für alle Drohungen und Meinungsverschiedenheiten", sagte er. "Ihr Abzug wäre in ihrem Interesse sowie im Interesse der Region und der Sicherheit."

Die Armeefahrzeuge, die auf der Parade gezeigt wurden, trugen Israel- und USA-feindliche Aufschriften wie "Tod Israel", "Tod Amerika" und "kein Iraner und kein Muslim erkennt die Existenz Israels an". Auch der provokante Ausspruch Ahmadinedschads, Israel müsse von der Landkarte verschwinden, der 2005 für Aufruhr im Westen gesorgt hatte, war zu lesen.

Die Demonstration militärischer Stärke im Iran erfolgte inmitten neuer Diskussionen über eine Verschärfung der Sanktionen gegen das Land, das sich weigert, der UN-Forderung nach einem Stopp seiner Urananreicherung nachzukommen. Vor einer knappen Woche hatte zudem der französische Außenminister Bernard Kouchner mit seiner Äußerung Kritik ausgelöst, die Welt müsse sich im Streit um das iranische Atomprogramm schlimmstenfalls auf einen "Krieg" einstellen. Anschließend hatte Kouchner betont, es müsse alles getan werden, um eine diplomatische Lösung zu finden. Die Islamische Republik steht im Verdacht, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Atomkraft Nuklearwaffen herzustellen. Teheran bestreitet dies.